Nachtwolf live [off air] #2 (16.03.2017)

Es ist Geisterstunde und ich bin wieder für euch da. Erzählt mir etwas in den Kommentaren. Egal ob es Sorgen, Ängste, oder Nöte sind. Was euch auf der Seele liegt oder das Herz beschwert, erlebtes, was einfach erzählt werden muss, oder was euch sonst in den Sinn kommt. Ich bin da und reagiere.

Diesen Blog Artikel aktualisiere ich bis mindestens 01:00 Uhr immer mal wieder, so dass ich hier im Grunde live schreibe 🙂

Jo

 

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Geisterstunde

Heute interessiere ich mich dafür, was mit diesem Begriff überhaupt verbunden wird. Verbreitet ist die Bedeutng der Geisterstunde aus dem sagenhaften Volksglauben. Mystische Kreaturen gehen um. Geister, Hexen, Tod und Teufel. Das Auftreten des Spuk wird gar als böses Omen für das baldige Eintreten des Todes eines Menschen gesehen.

Es gibt aber auch die weniger schrecklichen Seiten der mitternächtlichen Stunde. Es ist eine magische Zeit, Heilkräuter entfalten ihre Wirkung besser, wenn sie in diesem Zeitfenster gesammelt werden, oder erhalten dadurch überhaupt erst Heilkraft. Bestimmte Schätze können nur dann gefunden, arme Seelen erlöst werden. In besonderen Nächten beginnen Tiere im Stall miteinander zu sprechen, Wasser wird zu Wein.

Manche Menschen verbinden ihre ganz eigenen Vorstellungen oder Erlebnisse mit dieser Zeit. Sie genießen die Stille und Einsamkeit unter einem vollen Mond, verlieben sich oder genießen es, wenn ihnen bei einer Nachtwanderung im Wald einer besonderer Schauer über den Rücken läuft.

Zu diesen gehöre auch ich. Ich fühle mich dieser Phase des Tages, bzw. der Nacht besonders verbunden. Schon als Kind habe ich oft aus dem Fenster dem Mond zugeschaut, wie auch den dunkel und dunkel vorbeiziehenden Wolken.

Irgendwann begann ich mich heimlich aus dem Haus zu schleichen, um draussen die kühle Stimmung besser aufnehmen zu können. Andächtig saß ich draussen auf dem höchsten Gerüst unseres Abenteuerspielplatzes und war eins mit mir und dem Mondhimmel über mir.

Aber was bedeutet es mir?

Schon zu dieser Zeit stellte ich den Glauben an einen Gott oder auch mehrere in Frage. Beschäftigte mich aber auch mit der ewigen Sinnfrage des Lebens, die paradoxerweise sinnlos ist, wie ich herausfand. Es gibt keinen tieferen Sinn, außer dem Leben an sich. Von Konstrasten der Dunkelheit umhüllt unter dem Mondlicht zu sitzen, machte mir das gleichermaßen klarer wie erträglicher. Mit geschärften Sinnen und erhöhter Empfindlichkeit in diese kühlen, lindernde Atmosphäre gehüllt zu sein schafft einen wohltuenden Gegensatz zum lauten, grellen Tag. Die ruhige Gelassenheit des Mondes vertreibt viele dieser Geister des Tages. Das hat mich oft überwältigt. Zu Tränen gerührt. Manchmal beängstigt, weil ich die Weite des Nachthimmels, mit seinen unendlich weit entfernten Sternen, mir mein bedeutungsloses Kleinsein bewusster machte. Es hat mich ebenso wieder beruhigt. Denn ich konnte spüren, wie unwichtig diese menschlichen Maßstäbe und Größenordnungen sind.

Alles das gilt im Grunde noch heute für mich. Wenn es eine Konstante in meinem Leben gibt, die mich immer erreicht, dann die Liebe tiefen Mondnacht, zur Geisterstunde und zur alles erträglicher machenden Stille unter einem schonenden Himmel.

Den zu teilen, ist etwas besonderes für mich, denn das mache ich nur sehr selten. Meine Geisterstunde gilt meist nur mir allein.

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Wenn ich darüber nachdenke, komme ich automatisch auf das Thema Zeit. Die ewige konstante, kein Stocken, kein Anhalten, steter Fluß. Auch der Gedanke daran kann mir Angst einflößen, oder mich beruhigen. Nichts macht einen Unterschied, der verhindern kann, das es weiter geht.

Ein Lied, dass ich seit langem wie kein anderes verbinde ist dieses:

Mercyful Fate – Time

Deswegen teile ich das auch mit euch, vielleicht könnte ihr euch dadurch ein besseres Bild von dem machen, was ich zuvor vermitteln wollte. 🙂

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Ich habe mich heute über viele Kommentare in meinem Blog gefreut und möchte das jetzt nochmal ausdrücklich betonen und mich dafür bedanken: Danke dafür! 🙂

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Was bedeutet euch die Nacht? Was insbesondere die Geisterstunde, die Mitternacht, das Mondlicht oder die Dunkelheit?

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Zum Abschluss nochmal das Thema Zeit: Wahnsinn, wie schnell sie gefühlt vorbei ist, gleich haben wir es schon wieder 01:00 Uhr. Mit jedem Lebensjahr scheint sie mehr zu rasen. Ich bin nur nicht sicher, ob die subjektive Wahrnehmung dieses Effektes gleichmäßig und konstant oder sprunghaft ansteigt.

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Und schon ist es wieder vorbei, die Zeit ist rum. Wahnsinn. Ich stehe auch wieder noch etwa länger zur Verfügung, bevor ich den Post dichtmache, bzw. die offizielle Talkzeit beende *g*

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Schau an, jetzt bin ich während der Geisterstunde noch auf den Mumford & Sons Geschmack gekommen. Danke Jette! 🙂

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Jetzt mache ich den Talk für heute dicht. Es war mir eine Freude 🙂

Ich wünsche allen da draussen eine erholsame Nacht,

Jo

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62 Kommentare zu „Nachtwolf live [off air] #2 (16.03.2017)

Gib deinen ab

      1. Hauptsache, Du bist nicht wegen einer anderen Person „verschnupft“! ;-D
        Mein Tag war heute wechselnden Stimmungen unterworfen. Ich hoffe, dass die Wirkung der geringeren Dosierung meiner Medis bald einsetzt, ich fühle mich pausenlos so, als ob ich in der nächsten Sekunde in Tränen ausbreche. Ohne Anlass oder das es tatsächlich eintritt. Aber ich habe auch ein langes Gespräch mit meiner lieben Schwester geführt und das war wunderbar 🙂

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      2. Ist es auch. Aber da ich weiß, dass Du Dich da nicht so gut mit auskennst, sage ich Dir was dazu: Es ist der guten Beziehung zu anderen wichtigen Menschen in Deinem Leben nicht so unähnlich. Die gemeinsame Bindung unter Geschwistern mag auf ihre Art besonders sein. Das sind Beziehungen zu anderen Menschen auf ihre jeweilige Art aber auch. Zu einem wundervollen Ehepartner zum Beispiel 🙂

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      3. Einerseits ist es die Musik, die eine gehetzte Stimmung erzeugt. Die passt perfekt, da die Protagonistin in eine Richtung getrieben wird in der sie nicht sein will.
        Dann wird ihr auch eine „zerbrochene Krone“ (ich mag das Sinnbild) angeboten, die sie nicht annehmen will. Und andere einzelne Textpassage passen perfekt.

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      4. Ich bin schon sehr darauf gespannt, mehr über Deine protagonisten zu erfahren. Ehrlich gesagt, die zerbrochene Krone als Sinnbild ist mir garnicht so geläufig, gefällt mir aber. Was verbindest Du damit?

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      5. Ich möchte das jetzt sehr märchenhaft ausdrücken, weil es irgendwie passt.
        Ich stelle mir darunter einen König vor. Einen, der sein Königreich bis fast in die Auslöschung getrieben hat. Nun ist er allerdings alt und muss sein zerbrochene/s Königreich/Krone an seinen Sohn weitergeben.

        Allerdings kann ich mir auch andere Dinge vorstellen. Zum Beispiel jemand, der irgendwas aufbauen (ein Geschäft oder Ähnliches) wollte, es aber nicht schaffte und die Sache nun ab- bzw. aufgeben muss.

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      1. Ich habe da zum Glück unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Gute und schlechte. Bin auf Verständnis und Unverständnis getroffen. Manchmal hat es mir geholfen, mich abzuwenden, oder andere wegzustoßen, manchmal mich anzunähern. Vor allem, nicht aufzugeben. Manchmal habe ich auch festgestellt, dass ich selbst was verändern muss. Meinen Umgang zum Beispiel. Oder auch mein Verhalten. Oder noch viel schwieriger, meine innere Haltung. Als einfach habe ich das alles nie empfunden. Eher im Gegenteil. Und das es oft alles ein langsamer, schwieriger Prozess ist, mit mir und den Depressionen umzugehen macht es auch nicht einfacher. Inzwischen finde ich aber, dass Fortschritte zu erkennen sind. Und das es sich lohnt, am Ball zu bleiben, weiter zu machen und nicht aufzugeben. 🙂

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  1. Fußnote zum Thema „Zeit“:
    Es ist zwar schon wieder heller Tag, aber ich denke immer noch über Deine Gedanken über Zeit nach. Als theater- und Science Fiction-affiner Mensch verbinde ich damit vor allem, dass Zeit relativ ist und nicht unbedingt eine „ewige Konstante, kein Stocken, kein Anhalten, steter Fluß“. Das betrifft zum einen die eigene Wahrnehmung – ich stelle mir die Zeit als steten Fluss vor oder ich habe den Eindruck, die Zeit fliegt, verlangsamt sich oder steht still. Und es ist ja auch eine spannende Sache, wenn man sich überlegt, wie man etwas (und warum auf diese Weise) erzählen möchte. Das klassische Beispiel aus dem Theater kennt vermutlich jeder: Zeitdehnung durch Musik, der Tenor ist zwar eigentlich schon tot, singt aber erst noch eine Viertelstunde, bevor er endgültig den Bühnentod stirbt. Aber auch schon in der mittelalterlichen Literatur findet man sehr viele Beispiele für Erzähltechnik, mit der aus bestimmten Gründen Zeit gerafft oder gedehnt wird. Mein Lieblingsbeispiel ist das Nibelungenlied: Siegfried, von Hagens Speer durchbohrt, hält eine zig Strophen lange Rede, bevor er endlich ins Gras beißt (naja, er war ja auch ein Superheld, er hat sicher mit Speer im Herzen einfach noch ein Weilchen gelebt).
    Aber – und deshalb bin ich eigentlich jetzt darauf gekommen – spannenderweise ist Zeit ja auch objektiv gesehen relativ. https://www.youtube.com/watch?v=gyAMnUQF9rg

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