Jos Bekenntnis litfaßgepostert: „Ja, ich bin ein Nerd!“

Morgen abend entführe ich meine Freunde in einen Dungeon. Sie müssen sich durch düstere Kellergewölbe, kalte enge Durchgänge und tropfsteinverhangene Höhlen kämpfen. Üble Monster der Unterwelt werde ich auf sie hetzen. Skelette, Monsterspinnen, Dämonen der Hölle und furcheinflößende Drachen beschwöre ich aus der Tiefe. Wenn diese meine Freunde nicht erledigen, dann werden es meine Speeergruben und Feuerfallen erledigen. Und ich, ich werde lachend auf ihr leblosen, kalten Leiber herabsehen…

Das ist nicht mein erstes Mal, oh nein. Bereits als Kind habe ich diese Liebe zu todbringenden Unternehmungen entdeckt. Anfangs hatte ich keine Freunde, um sie meuchlings in meine grauenerregenden Welten voller Abenteuern und Gefahren zu führen. Nein, ich musste erst lernen, ihr Vertrauen zu ergattern. Freundschaften aufbauen, um sie dann mit zuckersüßer Stimme zu umgarnen und mit der süßen Aussicht auf Reichtum und Ruhm zu verführen, auf Liebe und ein schönes Leben nach dem Abenteuer. Nur, um sie in die Tiefe zu locken. Wo jedes Quentchen Hoffnung und Leben aus ihnen herausgesaugt wird.

Kommen wir zurück in die nüchterne Welt der Normalbürger. Ich simuliere das mal durch eine simple Sprachanpassung.

Seit meinem 10. Lebensjahr spiele ich Rollenspiele. Angefangen hat es mit „Das schwarze Auge“, einem deutschen Fantasy-Rollenspiel. Zunächst habe ich das nur alleine gespielt, begleitet von argwöhnischen, nein angewiderten Worten meiner Lehrerin, als sie mich nach meiner Freizeitgestaltung ausfragte:

„Wir wäre es denn, wenn Du mal versuchen würdest, damit aufzuhören, diese Spiele zu spielen, Jo?“

Dabei legte sie Blick und Tonfall an den Tag, als ob ich Drogen nehmen und Pornos gucken würde. Ich wurde knallrot im Gesicht und war glücklich, als ich der Situation entfliehen konnte.

Aufgehört zu spielen habe ich danach natürlich nicht. Allerdings immer noch allein. Ein kleines Abenteuer-Computerspiel habe ich damals sogar auch programmiert. Nur leider rein textbasiert, ohne Grafiken. Zeichnen war nie meine Stärke. Sonst hätte ich auch längst einige meiner Geschichten mit passenden Zeichnungen bestückt. 🙂

Nach einiger Zeit fand ich Mitspieler und musste nicht mehr alleine in die Unterwelt aufbrechen, um Schätze zu finden, Rätsel zu lösen und Drachen zu töten.

Nebenbei, zur groben Erklärung für Unwissende:

In Rollenspielen übernimmt jeder Spieler die Rolle einer Spielfigur. Diese denkt er sich meist selbst aus. Meistens sind die Spiele in Fantasywelten beheimatet, wie man sie vom „Herr der Ringe“ kennt. Entsprechend sind die Spielfiguren dazu passende Charaktere, wie zum Beispiel Krieger, Zwergen, Elfen oder Zauberer. Ein Spieler übernimmt die Spielleitung, er bereitet eine Geschichte vor, die er den anderen Spielern erzählt. Diesen überlässt er Entscheidungsmöglichkeiten, wie die Geschichte für ihre Figuren weitergehen soll. Es entsteht Kommunikation und Interaktion, mittels derer zusammen die Geschichte weitergeschrieben wird. Die Hintergrundinformationen hat aber nur der Spielleiter. Er lenkt die Geschicke der Spielfiguren, in deren Rolle die anderen Spieler schlüpfen. Meist gibt es ein vom Spielleiter festgelegtes Spielziel, dass die Spieler herausfinden und erreichen können. Als Spielmaterial benötigt man nur Stift, Zettel und eventuell Würfel. (Daher wird das Spielgenre auch „Pen & Paper Rollenspiel genannt.)

Die Spielleiterrolle übernehme meistens ich. Ich erzähle halt gerne Geschichten und mag es, die Fäden in der Hand zu halten. 😀

Später kamen noch weitere Rollenspielsysteme hinzu. Neben den Fantasysettings mochte ich die Welten der Vampire und die neuzeitlicheren Abenteuer im Schrecken erregenden Cthulhu-Mythos des Howard Philip Lovecraft.

Viel aufregender noch waren die Live Rollenspiele („Larp“ genannt), in denen man die Geschichten nicht gemütlich am heimischen Wohnzimmertisch durchlebt. Stattdessen werden sie draußen live mit vielen anderen Spielern nachgespielt. Ein bisschen kann man sich das wie Improvisationstheater mit aufwendigen Verkleidungen und Aufbauten vorstellen. Von diesen Veranstaltungen haben wir jahrelang viele organisiert und mit einigen Freunden die Planung und Spielleitung für kleine Conventions zwischen 40 und 140 Teilnehmern übernommen. Das war gleichermaßen freudvoll wie anstrengend. Hat sich aber meistens gelohnt. Irgendwann verlor ich aber immer mehr das Interesse am eigentlichen Spiel und übernahm stattdessen die Küche. Auch nicht ganz unaufwendig, diese Anzahl Personen 3-4 Tage von morgend bis abends zu verpflegen. War aber voll mein Ding.

Vor einiger Zeit haben wir aber damit aufgehört. Der Aufwand stand nicht mehr im Verhältnis zur Freude daran. Eines werde ich aber irgendwann noch machen. Eine Rollenspielconvention in einem Maisfeldlabyrinth. Das wollten wir damals schon umsetzen, aber es ist auf den letzten Drücker an äußeren Umständen gescheitert. Aber das lässt mein Herz höher schlagen. Spieler ins Labyrinth schicken, gespickt mit Rattenwesen, Goblins und Vogelscheuchen. Zu Erntedankfest und Halloween. Irgendwann mache ich das! 🙂

In den letzten Jahren habe ich die Mitspieler nur noch durch die verstörenden Lovecraftschen Welten gejagt. Das machen wir am liebsten. Aber morgen abend ist es seit langem Mal wieder soweit und ich setze ihnen ganz klassisch einen Fantasydungeon vor die Nase. Der Drache im Beitragsbild wird der Endgegner. Und die Würfel werden bis Freitag rollen! 🙂

Und was macht ihr an den Feiertagen so? 😀

Blut & Schrecken

Jo

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15 Kommentare zu „Jos Bekenntnis litfaßgepostert: „Ja, ich bin ein Nerd!“

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  1. Jeah! Ich bin auch der totale Nerd! Ich stehe auch total auf Rollenspiele. Zwar mehr am PC, aber ja.

    Vor allem bin ich ein totaler “Der Herr der Ringe“ – Nerd. Auch das Online – Game kann ich einfach nur empfehlen. Einfach großartige, die ganze Welt.

    Dann wünsche ich dir noch sehr viel Spaß dabei! 🙂

    Glg Matthias 😀

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    1. Hallo Matthias, am PC habe ich auch viel gespielt, ist allerdings schon eine Weile her. Beim Herr der Ringe Online Spiel habe ich die Beta mitgemacht, aber mich dann entschieden bei Wow und Conan zu bleiben, zumindest noch eine Weile. Auch schon lange her. Mein dickes rotes Tolkienbuch weicht seit Kindheitstagen nicht von meiner Seite 🙂
      Wenn Du PC-Rollespiele magst, aber Pen & Paper nicht so Dein Ding ist, empfehle ich mal Tabletops wie „Descent“ mit Freunden auszuprobieren. ;-D
      Lieben Gruß,
      Jo 🙂

      Gefällt 1 Person

      1. Ja. Das kenne ich gut, mit den Büchern. Herr der Ringe, Tolkien und alles was damit zusammenhängt, Bücher, DVD’s usw. da bin ich echt der Nerd! XD

        Oh. Also mit Pen und Paper, habe ich bis heute leider noch nie ausprobier. Würde ich echt gern mal.

        Herzlichen Dank für den Tipp!!! 😀
        Werde ich mir mal ansehen und ausprobieren. Was neues auszuprobieren, ist immer schön!

        Liebe Grüße zurück 😀

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    2. Herr der Ringe online. da habe ich vor einem halben Jahr auch hingefunden…

      Die Würfel rollen in kleiner Runde auch hier regelmäßig, Jo!
      Gegen Nekromanten, Zombies und anderes merkwürdiges Volk kämpft sich eine in sich schon nicht ganz unproblematische Gefährtenschar: Was soll man als disziplinierter, naturverbundener Elbischer Jäger / Späher denn zum Beispiel mit einem versoffenen gierigen Thorwaler (stelt ihn euch als Wikinger vor) anfangen, der zwar gut ist, wenn man eine gewaltige Zweihandaxt zwischen sich und seinem Gegner sehen will, aber einfach ungepflegt. Und ein paar Kampf- und wildnis-unerfahrene, Händler und Zauberer, die ncihts spannenderes als (Rechnungs-)Bücher kennen… nicht nur, dass sie sofort vom Pferd fallen, lärmend durch den Wald ziehen usw.

      LG
      Jakob

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  2. Ich staune wie blutrünstig du bist😂 Ich kannte ml ne kleine Gruppe,die trafen sie regelmäßig und machten ihre Spiele zu Hause reihum in Kostümen….fand ich etwas komisch damals. Ich glaube heute auch noch…..euch ganz viel Spaß. ….Wir. …Keine Ahnung was wir machen. Wahrscheinlich muss der Zwerg im Garten Eier suchen,falls der Hase sich her traut. ….Liebe Grüße

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    1. Ja, das sorgt oft für seltsame Blicke, da kann ich einiges berichten… hm, mache ich vielleicht mal lieber in nem eigenen Posting, falls das thema auf Interesse stößt^^
      Der Osterhase kommt bestimmt zu euch, da bin ich sicher. Lass nur nicht gleich die Hunde auf ihn los… XD
      Alles Gute, Jo 🙂

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  3. Cool sag ich dazu! Bin auch ein totaler Fantasy-Fan, bei mir sind es die Romane, die mein Herz höher schlagen lassen. Rollenspiele (Pensum&Paper) habe ich ein, zwei Mal mit Freunden ausprobiert und fand es spannend.

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    1. Hey, unerwartet, gefällt mir! 🙂 Bei den Romanen bin ich irgendwann ausgestiegen. Zum einen, weil ich seit Jahren keine Bücher mehr lese. Zum anderen aus Gelangweilt sein vom ewig gleichen. Schreibe ich gerade was zu nieder 😀
      Wenn Du gerne liest, Dir Pen & Paper Runden auf Dauer aber zuviel sind, empfehle ich Abenteuerspielbücher wie „Der Hexenmeister vom flammenden Berg“. Das sind Bücher, die in hunderte Abschnitte unterteilt sind. Nach jedem Abschnitt entscheidest Du selbst, wie es weitergeht. 🙂

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      1. Ja, das stimmt, leider sind viele Autoren gerade im Genre epische Fantasy nicht sonderlich kreativ und kopieren eigentlich nur das Herr der Ringe-Schema … Es gibt aber auch tolle Ausnahmen! Ich liebe z.B. „Der Name des Windes“ von P. Rothfuss …
        Klingt sehr gut, danke für den Tipp, ich schaue es mir mal an!

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  4. Früher haben mich solche Rollenspiele interessiert, aber keiner schien auch nur ein wenig interessiert, weswegen ich dann irgendwann aufgab und mich den PC Rollenspielen zu wandte. Aber nachdem ich das jetzt so gelesen habe packt mich doch irgendwie wieder die Lust 🙂

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