Sexismus ist das neue Vegan

Weil was dran ist und der nette junge Mann das so sympathisch und lustig rüberbringt, reblogge ich das bei mir einfach direkt und ohne zu fragen. 😀

Quelle: Sexismus ist das neue Vegan (Update 13.05.2017: entlinkt, Zielblog ist inzwischen auf privat umgestellt. Hier geht es direkt zum YouTube-Video von Moritz Neumeier, auf das ich mich beziehe: Frauen und Männer)

In der Tat kenne ich das angesprochene automatisierte Abwehrverhalten stärker beim Thema Fleischkonsum/Vegetarisch/Vegan … was ich mir da schon alles für einen Stumpfsinn und blödsinnige Dinge, ja Anfeindungen anhören durfte, dabei bin ich selbst Fleischesser…. XD

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12 Kommentare zu „Sexismus ist das neue Vegan

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  1. Leider, leider gar nicht so neu. Steter maskulistischer Tropfen höhlt den Stein, und wenn man geschickt und geduldig genug ist, trägt der Lobbyismus nach ein paar Jahren eben auch in der gesellschaftlichen Breite Früchte. Donald Trump ist nicht der erste und nicht der einzige, der sich auf gefühlte Wahrheiten versteht. Und Gefühle sind halt oft stärker als Vernunft. (Abgesehen davon: Wenn man akzeptieren würde, dass etwas scheiße läuft, oder wenigstens zu der Erkenntnis kommen würde, dass es nicht allen gleich scheiße geht sondern ein Teil der Menschheit mehr Scheiße abbekommt als der andere, müsste man ja eventuell darüber nachdenken, selbst dagegen etwas zu tun. Viel zu anstrengend.) In diesem Sinne: #makefeminismgreatagain.

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  2. Zugegeben: ich mag Moritz Neumeier nicht. Seine überhebliche Art ist noch das kleinste Übel. Viel schlimmer sind dagegen seine verzerrten Darstellungen von „Fakten“. Siehe hierzu: https://www.youtube.com/watch?v=ib3gNtYW6Zc

    Unabhängig davon zum oben genannten Videoinhalt: Das Thema ist in hohem Maße emotional aufgeladen – ähnlich wie die Omnivor-/Vegan- oder die Flüchtlings-Diskussion. Es scheint nur noch zwei Meinungslager zu geben, die sich von ihren Geschütztürmen aus gegenseitig beschießen, während praktisch gesehen deine stumme Mehrheit von unten aus neutral zuschaut und die Kugelhagel mit zuckenden Schultern aushalten muss.

    Wer es kleinredet, dass Frauen unter häuslicher Gewalt leiden, ist ein Vollidiot. Wer es kleinredet, dass Männer unter häuslicher Gewalt leiden, ist aber auch ein Idiot. Beides sind Themen, über die gesprochen werden muss (genauso wie Gewalt gegenüber Kindern). Klar hat Moritz nicht Unrecht, wenn er die Gewalt gegenüber Frauen als diskutabler positioniert. Aber dass für ihn die Diskussion beendet ist, wenn man die Gewalt gegenüber Männer ebenfalls in den Topf, bezeugt nur seine einfältige Debattierkultur. Ansonsten könnte man sein Thema auch einfach kippen, indem man die Gewalt gegenüber Kindern erwähnt, denn diese ist wohl noch diskutabler als die Gewalt gegenüber Frauen. Nein, das Thema muss vollumfänglich erfasst werden.
    Ansonsten befeuert man nur, wie die Meinungslager sich immer mehr voneinander wegbewegen, obwohl sie doch dieselben Anliegen haben (z.B. keine Gewalt, Chancengleichheit, etc.).

    Die angesprochenen Rollenbilder: Ja, es gibt sie, auch wenn sie in den letzten 70 Jahren
    erstaunlich miteinander verscholzen sind. Es ist heutzutage als Frau kein Problem, Ingenieurwissenschaft zu studieren, ein Unternehmen zu gründen, auf Karriere anstatt auf Mutterdasein abzuzielen. Es ist auch für Männer kein Problem der Hausmann zu sein, Vaterjahr zu nehmen, etc.
    Sicherlich wird man – wenn der eigene Lebensentwurf vom Median (heterosexuelle Ehe; Kinder; Mann=primärer Versorger, sekundärer Erzieher; Frau=primäre Erzieherin, sekundäre Versorgerin) abweicht – darauf angesprochen, wieso und weshalb. Aber die Entscheidung dahinter wird vorwiegend akzeptiert, solang kein anderes Wesen dabei zu Schaden komm; man wird vom gesellschaftlichen Großteil z.B. nicht dafür diskriminiert und ausgegrenzt, wenn man als Frau keine Kinder haben möchte, auch wenn es viele irritiert (mich irritiert aber auch Religionsglaube).
    An Moritz & anderen Kleingeistern (wie Suzie Grime) stört mich, dass sie in ihrer konfrontativen Argumentation immer den homosexuellen, weißen Männer vorwerfen, die klassischen Rollenbilder zu verteidigen, worunter vor allem Frauen zu leiden hätten. Diesen beschränkten Denkhorizont hatte ich als rebellischer Teenager & Student auch dazumal. Als Erwachsener in einer Welt mit Erwachsenen kann ich darüber jedoch nur müde lächeln. Vorwiegend scheint es eher so, dass Frauen – sobald sie schwanger sind – lieber auf den Beruf verzichten und ein viel größeres Glück feiern: Nämlich der eigenen Nachwuchs (dessen Glück einem als Jugendlicher logischerweise kaum bekannt ist). Da sind mit einem Schlag die ersten Gehversuche des Kindes hundertmal mehr wert als ein fünfstelliges Gehalt im Monat. Und um von diesem Glück mehr zu haben, entscheiden sich vorzugsweise Frauen lieber für Teilzeit. Aber ist das schlimm?
    Ist es nicht sogar erzkapitalistisch dem Geld mehr Vorzug zu geben als dem Naturgegeben (und das sage ich als jemand, der – gesundheitsbedingt – keine leibeigenen Kinder haben möchte). Und ist denn ein Batzen Geld am Ende des Tages wirklich mehr wert, als der Gute-Nacht-Kuss eines Kindes? Darum finde ich es unverständlich und irgendwie traurig, dass uns immer eingeredet wird, dass Frauen lieber ein selbstherrlichen, erfolgsgeilen Lebensweg einschlagen wollen und dies auch noch unter Jubeln beklatscht wird.
    Zum Glück weiß die stumme Mehrheit da mehr als Moritz & Suzie. Die stumme Mehrheit entscheidet sich bewusst für einen Weg, den ihnen am liebsten zukommt (ob Karriere, ob Familie, ob Freizeit, ob Selbstverwirklichung, etc.). Sie werden nicht dazu gezwungen. Und wenn der Partner etwas erzwingen will, steht es jeder Frau und jedem Mann frei, sich von diesem abscheulichen Partner loszulösen und einen passenderen Partner zu finden, der den Lebensweg teilen möchte – oder man schlägt sich allein weiter.

    P.S.: Ich finde gröhlende Fußballfans und Muckibuden-Machos primitiv (wer tut das nicht?). Genauso primitiv finde ich mit Make-Up-zugekleisterte Paris-Hilton-Abziehbilder, die mit ihren Michael Kors-Handtaschen ihre fehlende Ausstrahlung zu übertünchen (wer tut das nicht?). Nichtsdestotrotz bin auch ich nicht gefeit vor charakterlichen Schwächen, die von Seiten der Fußballfans, Muckibuden-Machos, Schickimicki-Bräuten belächelt werden. Und das ist ok.

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      1. Danke, dass du den Kommentar wenigstens freigegeben hast. Das schätze ich wirklich und keineswegs Usus.

        Wenn ich fragen darf, möchte ich dich fragen, warum ich mit meiner Antwort ein sehr passendes Beispiel abgebe?

        Ok, für die Rechtschreibfehler entschuldige ich mich (die sind wirklich beschämend). Und auch, dass ich zu wenig meine Antipathie gegen die Neumeiers Gegenseite („Frauen gehören an den Herd“) geäußert habe, die ich genauso schrecklich finde.

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      2. Hallo, hat jetzt ein bisschen gedauert, bis ich antworte, sry.
        Das mit dem passendes Beispiel meinte ich so: In dem Video geht es nicht um Emanzipation an sich, sondern um Reaktionen darauf, wenn irgendwo bloß das Stichwort fällt. Ebenso wie auch bei vegan (und übrigens auch einigen anderen Themen). Beides sind im Grunde garnciht meine Themen. Ich gehöre wohl zur „schweigenden Mehrheit“ (Wieso weißt Du, was sie denkt, wenn sie schweigt?), da ich mich für gewöhnlich nicht am öffentlichen und selten an überhaupt einem Disput zu diesen Themen beteilige. Meinung und Gedanken dazu habe ich trotzdem. Mir geht es um das, was in diesem Video gesagt wird. Andere von dem Ersteller kenne ich nicht. Ihn auch nicht. Interessiert mich eigentlich auch nicht. Das Video, dass Du verlinkt hast, finde ich eher uninteressant. Es kommt mir so vor, als ginge es dem Macher lediglich darum, unbedingt gegen den Moritz Neumeier zu schießen, warum auch immer, da kann ich nur mutmaßen. Das was er da an „verzerrten Fakten“ u.ä. „aufdeckt“ kommt mir recht belanglos vor. Ich frage mich eher, warum er nicht selber was konstruktives macht, als so kleinkariert und (nach meinem Eindruck) verbissen gegen jemand anderen zu schießen.
        Zurück zum eigentlichen Thema. In den letzten Jahren habe ich vermehrt (bisweilen entnervend häufig) die Situation erlebt, von irgendwelchen Leuten Gespräche aufgedrückt zu bekommen, bloß weil eines der oben genannten Stichworte fiel. Das waren immer die jeweiligen „Gegner“ dieser Themen, die sich da gerne und offensiv (und leider auch immer sehr plump) positionierten, anderen Personen dieser „Gegenpartei“ in deren Abwesenheit irgendwelche Unterstellungen machten, immer verallgemeinernd, mit verdrehten Argumenten und Sichtweisen, dass mir der Kopf schwirrte und im Grunde lief es immer nur auf dasselbe raus. Sie hätten durchweg auch einfach sagen können: „Ich will aber nicht, ich will aber nicht, ich will aber nicht, die anderen sollen nicht Recht haben, ich will keine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Thema, ich will mich nicht reflektieren und schon garnicht Gefahr laufen, mein Verhalten hinterfragen und ändern zu müssen. Also ziehe ich lieber alles an den Haaren herbei, was mir einfällt um diese Themen zu relativieren und irgendwie dagegen zu schießen!“
        Das wäre dann zumindest ehrlich gewesen.
        Ich selbst wurde grundsätzlich in die „Gegenpartei“ gesteckt, obwohl ich Fleisch esse und alles andere als im Thema „Emanzipation“ zuhause bin. Einfach so, weil ich nicht vorbehaltlos in das Geheul eingestimmt habe. Weil ich gesagt habe, dass ich Hirsebratlinge gerne esse (Mitunter als Beilage zum Fleisch^^). Weil ich sehe, dass industrielle Fleischfertigung im Grunde ein NoGo ist. Das es viel Bedarf zu handeln gibt. Das war alles schon zuviel für diese Menschen. Da wurde ich dann abgestempelt und angegangen. Und als Krönung obendrauf wurde vehement behauptet, dieses Verhalten sei typisch für Veganer/Emanzen. Die würden anderen alles mögliche aufdrücken, andere permanent mit diesem Thema quälen, und so weiter. Ist mir ehrlich gesagt von deren Seite selten passiert. Andersrum häufig.
        Diese bornierte Blockiertheit nervt mich. Die Gespräche führen auch so gut wie nie zu etwas.
        Für ernsthaften Austausch über wichtige Themen bin ich im Grunde zu haben, lasse mir aber ungern, Gespräche, Meinungen oder Stempel aufdrücken. So, gut jetzt, ich denke mein Standpunkt ist klar.
        Dich da so einfach als Beispiel herzuhalten war zugegebenermaßen ein wenig gemein. Es passte aber einfach in dem Moment so sehr. Es fallen die Stichworte und schon kommt jemand mit ellenlang Text daher, der diese relativieren will. (Du hast aber auch deutlich mehr dazu geschrieben, das ist mir klar.) Deswegen meine Entschuldigung an Dich, wenn das von eine unangemessene Reaktion war.
        Liebe Grüße,
        Jo 🙂

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    1. Ein Grundproblem bei solchen Diskussionen ist – da gehe ich mit – dass manche das Bedürfnis haben, „Lager“ zu bilden. Und sich in ihren Argumentationen an Schubladendenken zu orientieren. Was an sich erst mal nicht negativ ist, schließlich wären wir ohne Schubladen ziemlich orientierungslos. Aber man sollte auch bereit sein, zu hinterfragen, was man warum in welche Schublade gesteckt hat. Und dafür immer wieder einen Blick auf die tatsächlichen Verhältnisse werfen.
      Ein Beispiel für tatsächliche Verhältnisse: Es trifft leider so nicht zu, dass es „heutzutage […] auch für Männer kein Problem [ist] der Hausmann zu sein, Vaterjahr zu nehmen, etc.“ Das wird in der Lebensrealität vielen noch in ihren Unternehmen erschwert – entweder werden Steine in den Weg gelegt, sodass sich die Erziehungszeit nicht realisieren lässt, oder der Mann geht in Erziehungszeit und ihm drohen danach berufliche Konsequenzen (bei berustätigen Frauen, die eine Familie gründen, läuft es ähnlich). Es ist zwar ein Umdenken im Gange, aber das ist offenbar noch nicht abgeschlossen. Einzig im öffentlichen Dienst sieht es glücklicherweise anders aus. Aber wir können ja nicht alle im öffentlichen Dienst arbeiten. Und weil das so ist, ist das Ende vom Lied immer noch zu häufig: Die Frau geht alleine in die Erziehungszeit, arbeitet anschließend Teilzeit (mitunter heißt das zugleich: in geringer qualifizierten und damit geringer entlohnten Tätigkeiten), und kommt aus dieser so genannten Teilzeitfalle dann auch nicht mehr heraus. Es gibt sicher Frauen, die möchten auch nicht mehr Vollzeit arbeiten, zumindest so lange nicht, wie ihre Kinder noch aufwachsen. Es gibt aber auch Frauen, die wollen oder müssen sogar eigentlich Vollzeit arbeiten, um ein ausreichendes Familieneinkommen zu erzielen (Kinderarmut kommt nicht von ungefähr). Oft stehen sie aber vor folgenden Problemen (abhängig vom Lebensort und der Mobilität der Familie sind die mal gravierender, mal lösbarer): Die Kinderbetreuung kann nicht gewährleistet werden und/oder die Mütter bekommen keine Vollzeitstelle mehr. Verschärft wird diese Problemlage noch bei Alleinerziehenden (Frauen wie Männern), von denen es immer mehr gibt. Eine Konsequenz auf lange Sicht: Einbußen bei den Altersbezügen bis hin zur Altersarmut, d.h. wenig Lebensqualität im Alter für den Einzelnen und höhere Belastungen für die Gesamtgesellschaft.
      Hieran lässt sich für mich ganz deutlich ablesen, dass die „Fehler im System“, die auf eine Ungleichheit von Lebenschancen der Geschlechter und von Menschen aus unterschiedlichen Schichten hinauslaufen, noch längst nicht beseitigt sind. Und es sind diese „Fehler im System“, die einen Unterschied machen können zwischen Problemen, die überwiegend Frauen (und Kinder) betreffen, und Problemen, die Männer betreffen (das könnte zum Beispiel beim Problem häusliche Gewalt der Fall sein). Dementsprechend muss nach unterschiedlichen Lösungswegen gesucht werden.
      Es ist verführerisch, sich an so manche „gefühlte Wahrheit“ zu halten, zumal die Konsequenzen einer solchen Haltung oft weit in der Zukunft liegen und eventuell erst zukünftige Generationen betreffen. Immer wieder zu überprüfen, was tatsächlich der Fall ist, zu überprüfen, ob man es bspw. mit systematischer Benachteiligung von bestimmten Gruppen von Menschen zu tun hat, oder mit Benachteiligung, die in individuellen Umständen begründet liegt, ist mühsam. Doch es ist absolut notwendig, wenn man als Gesellschaft nicht im Status quo verharren möchte und, wie Herr Neumeier sinngemäß sagte, dafür Sorge tragen möchte, dass es jedem Menschen in unserem Land möglichst gut geht.

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      1. Wow, mich erfreut dein ausführlicher Kommentar sehr. Danke vielmals.

        Ich halte Schubladen nicht per se für den Teufel, denn – wie du richtig sagst – wären wir ohne diese recht orientierungslos. Der Irrtum liegt nur darin, lediglich zwei Schubladen aufzumachen (anstatt die elf Grauzonen dazwischen). Und da sich meist nur die lauten, konträren Minderheiten zu Wort melden, verzerrt es den Blick auf die farbenreiche Schubladenpalette. Und wenn ich von einer stummen Mehrheit spreche, meine ich die Menschen, die sich dazwischen befinden und ungläubig das Gepoltere anhören müssen.

        Dass es einige Unternehmen gibt, die den Teilzeit-Papas Steine in den Weg legen, will ich nicht abstreiten (auch wenn ich im Freundeskreis dahingehend keine Erfahrung gemacht habe – aber vielleicht es auch an meiner Peer-Group). Grundsätzlich vertrete ich aber die Meinung: Jeder Betrieb, der auf solch holprigen Steinen seinen Weg bereitet, ist ein Betrieb auf unserer Fahrt in die Zukunft, von dem ich hoffe, dass er auf halber Strecke steckenbleibt. Ein Betrieb, der seinen Mitarbeitern derart diktierend ins Privatleben pfuscht, verdient keine Mitarbeiter.
        Libertär betrachtet, steht es den Vätern natürlich frei (wie auch Müttern) sich einen geeigneten Betrieb zu suchen, der vorzüglichere Arbeitsbedingungen ermöglicht. Allerdings weiß ich leider, dass das für den größten Teil illusorisch ist. Nur die wenigstens sind derart qualifiziert und branchenprominent, um so unersetzlich zu sein, dass sie derartig Druck auf ihre Arbeitgeber ausüben können.

        Ich gebe dir bei dem Teilzeit-Teufelskreis und der Verarmung konkret Recht. Und das verurteile ich auch scharf. Ich halte aber auch die Frauenquote für unsinning, weil es nur der denen nützt, die ohnehin karriere-orientiert sind, anstatt denen, die sich in den untersten Rängen mit Familien abmühen müssen. Warum wird eben nicht darüber gesprochen, dass sich immer mehr Frauen und Männern in befristeten Arbeitsverträgen befinden (das wirksamste Verhütungsmittel). Warum werden nicht auch von Seiten der Feministinnen die familienfeindlichen Unternehmen angeprangert. Altersarmut. Kinderbetreuung. Unbezahlte, nicht absetzbare Überstunden.
        Sprich: All die Probleme, die du ansprichst, die uns (Mittelschicht & prekäre Berufstätige) betreffen.
        Stattdessen werden vorrangig Mansplaning, gendergerechtes Schneeräumen, objektivierende Werbeplakate, Rape-Culture thematisiert; stets mit dem Zeigefinger in Richtung des bösen, weißen, alten, Cis-Hetero-Mannes, der seine patriarchale, frauenfeindliche rechte Hand walten lässt.
        Beim Gender Pay Gap werden unbereinigte Zahlen herangezogen. Es werden voreilige, doktrinkonforme Rückschlüsse gezogen, die den schwarzen Peter – wie sollte es anders sein – ausschließlich den Männern zuschieben anstatt den wirklichen Verursachern: Arbeitgebern und der Politik. Das ist mir zu simpel, weil es ein gefährliches Feindbild generiert, das uns (Mann und Frau) voneinander entfernt, als uns füreinander einzustehen.

        Es ist darum nicht verwunderlich, dass sich zunehmend Männerbewegungen (bspw. MGTOW *würg*) formieren. Als normaler, achtsamer Mann hat man irgendwann die Schnauze voll, der Buh-Mann zu sein.
        Wer unentwegt Parolen klickwirksam herausposaunt, wer Gegenargumente auslacht oder zensiert, wer sich nur einseitig informiert, der befeuert – meines Erachtens nach – den Stillstand. Eine Debatte lebt nun einmal von These und (!) Antithese, die rückschließend zu einer Synthese verschmelzen. Und die Bereitschaft zu einer Antithese fehlt mir in dem obigen Video (und in vielen anderen).
        Ob so einseitige Gegenpole wie MGTOW dabei behilflich sind, wage ich allerdings auch zu bezweifeln, da sie sich derselben Diskursblindheit bedienen.

        Letztlich muss ich wohl einräumen, warum mein Weltbild bezüglich der Rollenbilder eher positivistisch und weniger strikt trennend gesehen wird: Ich bin im Osten aufgewachsen. In der DDR war es Usus, dass die Frauen arbeiten waren und es – zumindest diesbezüglich – weitaus progressiver zuging als im Westen mit dem Heimchen am Herd. Als 87er Jahrgang habe ich nur in Ausnahmefällen meiner Mitschüler mitbekommen, dass deren Mütter zuhause blieben und nur der Papa arbeiten ging. Im Grunde genommen galt diese Arbeitsverteilung aber als verpönt. Kindergarten, Hort und die Großeltern federten die Belastung der Eltern etwas ab (die ja immerhin Vollzeit arbeiten gingen).
        Ich bin mit einer alleinerziehenden Mutter großgeworden, die im Dreischicht-System für einen Hungerlohn arbeiten ging (wie viele im Osten); die sich scheiden ließ, als die Ehe eben nicht mehr funktionierte; die im Leben auch falsche, einschneidende Entscheidungen traf; die allerdings auch ihrem (neuen) Mann vertraute und auf seine Hilfe zurückgriff und auf die der Familie. Eine Frau, die wie viele andere Mütter (und auch Väter) von dieser ideologische Rosinenpickerei eines Moritz & Co. außen vor gelassen sind und die die angesprochenen Feindbilder weltfremd und kindisch finden.
        Es bringt uns nicht weiter dieses oder jenes Geschlecht (als potentielle Partner) zu verunglimpfen und als bösen Wolf und schwachen Lamm darzustellen. Ich vertraue meiner Partnerin und verfeinde mich nicht mit ihr, nur weil sie eine Frau ist. Und sie macht es mit mir genauso, „obwohl“ ich ein Mann bin.
        Gesellschaftliche Barrieren sind meines Erachtens nach Hand in Hand zu brechen und zwar nebeneinander. Ich sehe Moritz & Co. diese Hand nur greifen, wenn sie selbst vorgehen – ansonsten schlagen sie die Hand weg (wie auch MGTOW).

        Das bedaure ich.

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      2. „Warum wird eben nicht darüber gesprochen, dass sich immer mehr Frauen und Männern in befristeten Arbeitsverträgen befinden (das wirksamste Verhütungsmittel). Warum werden nicht auch von Seiten der Feministinnen die familienfeindlichen Unternehmen angeprangert. Altersarmut. Kinderbetreuung. Unbezahlte, nicht absetzbare Überstunden.“ – Das wird durchaus angeprangert. Ich nehme die Themen zwar auch als Gewerkschaftsmitglied wahr, aber ebenso von feministischer Seite. Manuela Schwesig darf man z.B. sicher ungestraft als Feministin bezeichnen. Dass Feministinnen in der öffentlichen Diskussion sich auch mal im Ton vergreifen, ändert an der Problemlage wenig und ist zu bedauern. Auf der anderen Seite muss man auch zugestehen: Es ist gut, dass Feministinnen ihre Stimme erheben, zumal in einem Land, in dem patriarchalische Strukturen eben keineswegs nur in der einen oder anderen Migrantenfamilie vorkommen, sondern auch das Denken in Chefetagen und das Denken von regierungsbeteiligten Politikern immer noch mitbestimmen. Und da muss man nicht erst bei den familienpolitischen Linien der zurzeit recht beliebten AfD anfangen. Ich erinnere nur an eine gewisse immer noch an der Regierung beteiligte Partei, die auf Bundesebene eine Sozialleistung durchsetzen wollte, die der Volksmund „Herdprämie“ nennt. Die „Herdprämie“ hat zwar keine größeren Kreise gezogen, ist aber ein Symptom für kurzsichtiges gesellschaftspolitisches Agieren sogar auf höchster Gesetzgeber-Ebene zum Nachteil insbesondere von Frauen (da Brüche in der Erwerbsbiographie befördernd, damit die Gefahr von Altersarmut erhöhend …). Wenn die „Emma“ bspw. dazu kritische Artikel veröffentlicht, kann ich nur sagen: Richtig so. Und wenn sie dann außerdem noch Artikel z.B. über Sexismus in der Werbung bringt, sage ich: Warum nicht. So lange der eigentliche Fokus auf den Themen liegt, die uns wirklich das Leben schwer machen können und zu gravierenden Konflikten führen, wie z.B. das erst kürzlich reformierte Sexualstrafrecht. (Erstaunlicherweise habe ich diesbezüglich noch nichts von den vor der Reform beunkten höheren Zahlen an Falsch-Anzeigen vernommen. Dafür zuletzt das hier: http://www.emma.de/artikel/vergewaltigung-ein-skandaloeses-urteil-334451)

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