Nachbarschaft

Ich kann mir das Lachen gerade kaum verkneifen. Der Herr Nachbar ist dafür verantwortlich. Aber eins nach dem anderen.

Vor Jahren haben wir den Garten komplett kernsaniert, alles rausgerupft, was keine Miete zahlte. Der damals schon altersschwache Herr Nachbar nahm dies zum Anlass, das Vordach der Gartentür seiner Garage zu säubern. Das gelang ihm nur mittels einer Leiter. Schließlich was das Vordach vor allem auf der Oberseite beschmutzt. Und noch wichtiger: So konnte er über den Zaun in unseren Garten sehen, unser Treiben beobachten und bei Gelegenheit kommentieren.

Eigentlich soweit in Ordnung, nur als er begann die für einige Arbeiten von uns beauftragten Handwerker zu kommandieren und ihnen andere als die von uns gewünschten Arbeiten zuweisen zu wollen, musste er gestoppt werden.

Tage und Wochen musste dieses widerborstige Vordach gereinigt werden, allzu fest hatte sich der Dreck gesetzt und wie das Leben so spielt, kommt eins zum anderen und es stellte sich heraus, dass auch einige Reparaturen von dringlichster Notwendigkeit waren. Scheinbar hatten sich Schrauben gelockert. Die vollkommene Dachsicherheit war dann auch erst wiederhergestellt, als wir auch unseren Garten fertiggestellt hatten.

Seitdem sind einige Jahre ins Land gezogen, man grüßt sich, schnackt mal ein wenig miteinander, Nachbarschaftsleben halt. Jetzt allerdings ist es für uns soweit, die Parkplatzsituation zu verbessern. Die Stellplätze wurden für Autos der 70er Jahre konzipiert (vielleicht auch 60er…?) und dementsprechend beengt gestaltet sich das ein- und aussteigen. Dabei hat niemand von uns einen großen Wagen.

Also Zeit für eine Erweiterung. Neben dem Parkplatz befindet ein kleines Stück Wildwucherfläche, direkt neben der Nachbarsauffahrt. Das wird ausgerupft und zur Raumgewinnung gepflastert, auf das wir uns künftig zwischen unseren Autos durchquetschen können, ohne magersüchtig werden zu müssen. Die Handwerker sind bereits seit Dienstag bei der Arbeit.

Das Stichwort „direkt neben der Nachbarsauffahrt“ wird dem ein oder anderen vielleicht schon in das Auge gestochen sein. So wie auch mir der altopaliche Sonnenhut des Nachbarn durchs Fenster auffiel. Im ersten Moment dachte ich noch, wieso sind die denn jetzt zu dritt? Waren doch eigentlich nur zwei Handwerker? Bis mir auffiel, dass einer auf einem Stuhl sitzt und in Nachbars Garten die Pflastersteinfugen von Unkraut befreit. Was soll ich sagen, das ist auch wirklich nötig. er kümmert sich um diese wichtige Arbeit sonst nur alle paar Wochen.

Am ersten Tag fiel mir noch auf, dass die beiden Schwerstarbeiter (zumindest der Körperfülle nach sind sie das), sich gut damit auskennen, wie man Pausen macht. Zumindest vermittelte es jedesmal diesen Eindruck, wenn ich aus dem Fenster sah. Als ich mit den Hunden auf dem Weg zu Wald und Wiese an ihnen vorbei kam, stellte es sich schwierig heraus, in Kommunikation zu treten. Deutschkenntnisse waren wenig bis garnicht vorhanden bei den beiden. Ich erntete nur freundliche, verständnislose Blicke.

Doch dann trat der Herr Nachbar auf den Plan. Seit 2 1/2 Tagen hat er sich der Sache angenommen. Also der mit seinem Fugenkraut natürlich. Freundlich spricht er aber auch von Zeit zu Zeit unsere Schwerstarbeiter an. Keine Ahnung, was er denen sagt. Die aber auch nicht! Ich muss mir also keine Sorgen machen, dass er wieder irgendwelche unerwünschten Arbeitsanweisungen rausgibt. Ist das schön, denn durch seine unentwegte Aufmerksamkeit fühlen sich die Herren doch zu deutlich mehr Schaffenskraft inspiriert. Ein wenig Unwohlsein scheint mir auch vermehrt in ihren Gesichtsausdruck gedrungen zu sein. Man will wohl schnell fertig werden und der Situation entfliehen. Vielleicht gehe ich gleich mal runter und biete den armen Kerlen einen Kaffee an oder sowas. Die Arbeitsmoral will ja auch hoch gehalten werden. Dennoch: Danke schön, Herr Nachbar, so sieht wahre Nachbarschaftshilfe aus! 😀

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4 Kommentare zu „Nachbarschaft

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    1. *lach* Ich freue mich… Umzugskartonpausen müssen auch von Heiterkeit geprägt sein, sonst erschöpft mensch zu schnell .-D
      Meine Worte als Komödienschmuck wäre ein Träumchen XD Danke Dir herzlich, Sylvia!
      Liebe Grüße: Jo 🙂

      Gefällt 1 Person

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