Ab in die Wildnis – Es geht los

Es ist endlich soweit, morgen starte ich die erste kurze Tour in die Wälder. Rucksack. Zelt und Hund sind gepackt. (Oder so gut wie^^)

Eigentlich sollte es heute schon losgehen, aber da kam die spontan verfrühte Geburt eines der künftig wichtigsten Menschen in unserem Leben dazwischen. Da wollten wir natürlich heute schnellstmöglich hin und im Krankenhaus „Hallo!“ sagen. Da das einiges an Kilometerfresserei auf der Autobahn mit sich brachte, blieb nur das Verschieben meiner Aktion auf Samstag. Zeit zum Nachdenken brachte die Autofahrerei aber auch mit sich.

Die ursprüngliche Idee war ja „Ab in die Wildnis zum schreiben“. Im Moment ist mir mehr nach „Ab in die Wildnis zum abschalten“. Ich blogge jetzt seit Anfang Februar. Zu Beginn dachte ich nicht, mehr als drei oder vier Texte zu Papier zu bringen, welcher Art auch immer. Ich habe eigentlich nichts erwartet, wenn ich ehrlich bin. Von mir selbst nicht. Ich ging davon aus, ein bisschen Gestaltungsgeklicke beim Erstellen des Blogs zuwege zu bringen, ein paar meiner Gedichte und einige Fotos hochzuladen und dass es sich damit haben würde.

Irgendwie ist das anders gelaufen, irgendwas scheint mich voran getrieben zu haben. Das hier ist jetzt mein 230. Blogbeitrag. Ein irre Zahl, mit der nicht zu rechnen war. Ich habe keine Ahnung, wie viele davon Gedichte, Satiren oder Geschichten sind. Wieviel durch einzelne Fotos oder kurze Gedankenbeiträge zustande gekommen sind. Ist auch egal. Was auch immer mich beflügelt oder inspiriert hat, ich bin dankbar, dass es so ist. Vor allem für eines, ich habe einige Gedichte und Geschichten verfasst, die ich selber gerne lese. Das ist neu für mich. Trotzdem merke ich, dass mein Akku sich leert. Was erstaunlich ist, denn um sich leeren zu können, hätte er aufgeladen sein müssen. Ich bin froh, dass er bis jetzt hält.

Es ging die ganzen letzten drei Monate schon hoch und runter. Meine Medikation von Antidepressiva wurde erhöht und aufgrund von Verschlechterung meines Zustandes wieder gesenkt. Es gab viele Stimmungsschwankungen, oft mehrfach pro Tag. Ich glaube, meinen Beiträgen merkt mensch das auch an. Teils an Inhalten, oder auch an der Form. Jetzt ist es Zeit, den Stift mal beiseite zu legen. Ich habe auch noch einiges an Nachrichten erhalten, die werde ich heute nicht mehr beantworten, ich bin alle. Entschuldigt bitte, nicht persönlich nehmen. Nach meiner Rückkehr geht es weiter. Dauert dieses erste Mal ja nicht lange, bloß das kurze Wochenende.

Während der Autofahrt kam mir heute das ein oder andere in den Sinn, was auf mich zutrifft. Nachdem ich einiges über andere Menschen hier erfahren durfte, sei es durch deren Blogbeiträge oder in der direkten Kommunikation, glaube ich, dass es auch auf ein paar weitere Menschen hier zutrifft.

„Zu wenig für irgendwas – für alles zuviel.“

Das bringt ganz gut die oft erschöpfend schwierige Spanne zwischen Hochs und Tiefs zum Ausdruck, finde ich. Zumal in dieser Umschreibung für ein Hoch der Umstand beinhaltet ist, dass ein Hoch auch kein Garant für Produktivität und ein gesundes Maß an Energie ist. Mein Tief dauert jetzt schon recht lange an und die Zwischenhochs hatten oft eher einen getriebenen Charakter. Und in den Tiefs habe ich mich oft viel zu heimisch gefühlt. Es wird Zeit, dass die neue Therapie beginnt.

Was erwarte ich mir eigentlich von der Tour in den Wald? Naturerlebnis? Das habe ich auch im Alltag oft. Abschalten? Mag sein, andererseits bringe ich mich selbst mit in den Wald, man könnte sagen, dass ich mich selbst dort erwarte. Wenn abschalten nicht nur Flucht vor anderen in die Einsamkeit bedeutet, sondern auch vor sich selbst, ist das kein hilfreicher Zustand. Bewegung in Form von Wandern, den Kopf frei laufen? Schon eher, mache ich aber eigentlich auch tagtäglich, wenn auch nicht so geballt, sondern in kurzen Etappen. Auf mich allein gestellt sein in der dunklen, einsamen Nacht im Wald? Vielleicht, mag dem ganzen schon näher kommen. Letztlich kann ich diese Fragen nicht beantworten. Bleibt nur, einfach loszuziehen und zu schauen, was er mit mir macht.

Das klingt alles furchtbar negativ, glaube ich. Dabei überwiegt bei mir eigentlich Vorfreude. Mein jüngstes Hundehascherl und ich werden zum ersten Mal zu zweit unterwegs sein. Mal sehen, wie sie sich schlägt und wie wir als Team funktionieren. Mit meinem vorherigen Best-Buddie-Hund war ich über viele Jahre ein unzertrennliches Duo. Ob das mit ihr auch so werden kann? Sie ist auch nicht mehr so sehr ängstliches Hascherl wie vor 1,5 Jahren noch, als ich sie kennenlernte. Wir haben inzwischen auch schon das ein oder andere erlebt, sie hat erstaunliche Entwicklungsschritte gemacht. Mensch darf sehr gespannt sein, was die Zukunft diesbezüglich noch bringt.

Was noch? Die Kamera ist aufgeladen. Ob überhaupt ein paar nennenswerte Bilder entstehen? Vielleicht, oder auch nicht, ist mir eigentlich fast egal. Wenn ich Lust habe, zücke ich sie, sonst nicht. Der für den kurzen Zeitraum große Rucksack ist ohnehin hemmungslos mit Krempel gefüllt. Das gehört dazu, ich brauche das gerade. Gaskocher nehme ich mit und Gaslampe, Hängematte und die große Kamera. Zelt, Isomatte, Decke, noch ne Decke für den Hund und alles mögliche zum futtern und trinken. Achja, ein Buch ist auch dabei: „Die denkwürdige Geschichte der Kirschkernspuckerbande“ von Gernot Gricksch. Man sagte mir, das sei gut für mich, ich soll es lesen.

Mal sehen, ob das was wird, ob ich da zumindest den Einstieg in die Geschichte hinbekomme und es dann später weiterlese. Das ist auch so ein Thema, was mich belastet. Ich war mal ein  der Bücherwurm. Seit über 10 Jahren habe ich so gut wie kein Buch mehr lesen können. Damals ging es los mit den Vorzeichen des Burn-Out. Ein paar Bücher habe ich zu der Zeit noch versucht zu lesen. Über Seite 50 bin ich nicht mehr heraus gekommen. Was auf den ersten Seiten stand, wusste ich aber auch nicht. Kein sinnhaftes Lesen mehr möglich, keine Konzentration, keine Ausgeglichenheit, kein Interesse. Ein paar Bücher sind damals vor lauter Frust an der Wand gelandet. Danach habe ich es dann ganz aufgegeben mit dem Bücherlesen. Gewachsen fühle mich dem eigentlich immer noch nicht wieder. Vor einigen Jahren im Urlaub hab ich mal zwei gelesen, da passte alles zusammen, Umstände, Entspannung in die richtige Lektüre zur rechten Zeit. Danach war aber alles wieder wie gehabt. Kann man das Lesen von Romanen verlernen und wieder erlernen? Kann ich das?

Ein bisschen Forscherdrang treibt mich auch noch voran. Meine Familie stammt ursprünglich aus der Region, in die es mich morgen treibt. Etwas Back-to-the-roots wird vielleicht ganz nett sein. Einige entfernte Verwandte wohnen noch in der Ecke. Mal sehen, vielleicht klopfe ich auf Dauer mal an eine Tür. Muss ja nicht gleich dieses Wochenende sein. Der Ort, wo mein Großvater im Krieg abgeschossen wurde ist auch nicht weit. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mich damit wirklich näher beschäftigen will.

So, genug Gefasel für heute. Ich gehe schlafen, morgen will ich halbwegs fit sein. Es gilt einen Schritt nach dem nächsten zu machen und in ein Abenteuer zu stolpern.

Gute Nacht und ein schönes Wochenende euch allen!

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10 Kommentare zu „Ab in die Wildnis – Es geht los

Gib deinen ab

  1. Jaaa! Ob Du es glaubst oder nicht, man kann die Freue am Lesen Verlernen! Mir ging es zumindest ziemlich genauso. Früher habe ich gelesen ohne Ende. Schon in der zweiten Klasse habe ich jeden Abend zig Seiten im Bett gelesen. In einer Teenie-Zeit konnte ich ganze Nächte durchlesen! Und dann kam das Studium. Lesen wurde plötzlich Job. Und anstregend. Fachbücher und -artikel zur Recherche lesen ist was gänzlich anderes als Romane lesen, aber es hat mir doch das Lesen an sich versaut. In der Zwischenzeit hab ich neue Autoren gefunden, die mich fesseln (Marian Keyes, Jojo Moyes, Rebecca Gablé – die ersten beiden ausschließlich im Original!) und dann klappt es auch mal wieder. Aber nicht mehr so, wie zuvor…

    Ich wünsche Dir viel…. mmmmmh… eine erlebnisreiche Zeit! 😉 Es ist eigentlich egal, was geschieht. Wenn man sich auf so einen Weg macht, egal ob ein paar Tage oder Wochen, macht es definitiv was mit einem. Irgendwas wird also geschehen und wenn Du es einfach zulassen und stehen lassen kannst, kommt bestimmt die ein oder andere Erkenntnis mit. Bin auf jeden Fall gespannt, was Du zu berichten hast!

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    1. Vielen Dank, Melanie. 🙂
      Ich habe tatsächlich Stress in die Natur mitgebracht und ihn dann ein Stück weiter zurückgelassen, bin befreiter zurückgekehrt.
      Das mit dem Lesen hat aber nicht so geklappt. Es war eher strange (Vorsicht, absichtlicher Angliszismus für Dich *fg*) Das 1,5seitige Vorwort hat mich total gepackt, mir sind die Tränen in die Augen geschossen. Ich habe einen Augenblick gebraucht, um weiterlesen zu können. Kapitel 1 war dann wie gehabt, keine Ahnung, worum es ging, interessierte mich auch nicht mehr, irgendwas mit nem Heinz und nem Piet und ner Geburt. Konnte mich nicht einlassen. Buch->Zeltecke->Lichtaus->Hundkraulen->Nachtgeräuschenlauschen->schlafen 😀
      Aber im Auto habe ich auf dem Rückweg „Die Besteigung des Rum Doodle“, gelesen von Jürgen von der Lippe, gehört. Eine ganze CD, ohne gedanklich abzuschweifen, war total gut. Vor einigen Jahren hatte ich die schonmal gehört und konnte hinterher nicht sagen, was da passiert ist 🙂
      Rein informelle Texte,fachliches und so kann ich dagegen meistens noch ganz gut lesen. Bekloppt, wirklich.
      Vielen Dank für Deine Wünsche auf jeden Fall und ich werde noch mehr berichten 🙂

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      1. Very strange 😉 Nee, find ich nicht. Also ich würde es für mich nicht als strange empfingen. Oder gar bekloppt. Ich habe da selbst lange Zeit gegen an gekämpft. Irgendwann habe ich dann mal das Buch ‚Gespräche mit Gott‘ in der Hand gehabt (ich hab’s lange gemieden, wegen dem Wort ‚Gott‘ im Titel, aber ich kann’s echt empfehlen!‘). Und in diesem Buch habe ich quasi die ‚Erlaubnis zum Nichtlesen‘ gefunden. Echt, ich kanns kaum anders sagen. In dem Buch geht es um Wissen und ‚Gott‘ sagt, es gibt nicht, was man noch ‚lernen‘ müsse. Alles, was der Mensch wissen muss, hat er bereits in sich (eine Theorie, die ja auch schon die alten Griechen vertraten). Es gelte nicht mehr zu lernen, sondern zu erinnern. Das war so eine unglaubliche Erleichterung. Ich musste nicht mehr gegen das Nicht-Lesen-Wollen ankämpfen. Was nicht heißt, dass ich gar nicht mehr lese, aber deutlich weniger als früher. Und, vor allem, ohne Druck…
        Bin gespannt, was noch so kommt von Deinem Ausflug! Hundekraulen ist übrigens ne tolle Beschäftigung 😀

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      2. Das klingt sehr hilfreich für Dich. Für mich vom Titel her aber auch ein Buch, dass ich eher nicht in die Hand nehmen würde XD
        Ich habe auch nicht so sehr das Problem, nicht lesen zu wollen, im Gegenteil, es belastet mich ja. Es nervt mich. Ich will, aber schaffe es nicht. Naja, mein Ausweg sind jetzt Graphic Novels. Da kann ich mich ziemlich dran erfreuen. Und die dürfen auch schon mal textlastiger sein. Das geht dann. 🙂
        Ich erzähle Dir gerne mehr davon! 🙂
        Ja, hundekraulen ist eine wunderbare Sache und zudem entspannend. In dem Fall für mich und den Hund gleichermaßen, die war nämlich ganz schön angespannt, der kleine Checker. Musste die ganze Zeit Wache halten und dann diese vielen fremden, unbekannten Geräusche… 😀

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  2. Ich hoffe du liest das jetzt, gerade nicht mehr, denn dann hast du abgeschaltet… ich glaube das ist eine gute Idee…
    … vielleicht ein dich-wieder-fühlen-ein wenig finden-besinnen…
    … das wünsche ich dir…
    Eine grüne Party mit Bächlein, Wiesen, Gräsern, Tieren und Düften so weit wie die Welt… nach Wald, ruhe und vielleicht ein bisschen Frieden innendrinnen finden…
    … und natürlich auch viel Spaß und Freude auch wenns schwer fällt…
    … manchmal „einfach“ zulassen, hineinlassen ins Leben…
    … auf dich zukommen lassen, wo wie es kommt…

    …mit🐘blauenGrüßen✨

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    1. Doch, ich hab es noch gelesen, liebes misstueftelchen. So mehr oder weniger im rausgehen. Ich habe mich mit dem Start sehr schwer getan und da war noch dies und dann noch das zu tun und so kam ich erst im späten Mittag wirklich los. Über das von Dir geschriebene habe ich mich noch sehr gefreut. Und es mitgenommen auf die Tour. 🙂
      Die grüne Party 🙂 durfte ich dann ein bisschen erleben. Ich werde davon noch genauer_mehr berichten.
      Das hinter mir lassen hat nur bedingt funktioniert, zeitweise. Ich durfte noch ein bisschen in die Vergangenheit meiner Vorfahren eintauchen und interessante Entdeckungen machen 🙂
      Mit tiefschwarzen und sonnengelben Grüßen: Jo 🙂

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