Frohes Jahr 2019!

Das wünsche ich euch allen, dennoch meine ich wohl vor allem mich selbst. Ein aufbauender Zuspruch. Und eine Willensbekundung.

Was war das vergangene für ein Jahr. Bei mir hat sich viel getan, mehr als ich hier im Detail schreiben werde. Trennung und bald Scheidung, Umzug und Berentung aufgrund voller Erwerbsminderung waren die einschneidenden Ereignisse 2018. Nebenbei die Therapie mit tiefgehenden Baustellen.

Ich wusste im Sommer nicht, wie ich das schaffen soll. Den Umzug insbesondere. Mit der Bewilligung der Rente hatte ich nicht gerechnet, vor allem nicht im ersten Anlauf. Immerhin hat das wider Erwarten geklappt. Das war Lebensgrundlagen erhaltend, aber auch nichts wo ich vor Freude Luftsprünge gemacht hätte. Seltsames Gefühl, in Rente zu gehen. Mit fadem Beigeschmack.

Irgendwie hab ich den Umzug doch hinbekommen. Seit ein paar Wochen wohne ich jetzt alleine. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren. Fühlt sich allerdings nicht so schlecht an, wie ich dachte. Nach Wiederentdecken der eigenen Souveränität, mit dem Mietvertrag als Unabhängigkeitserklärung.

Dennoch ist es eher ein zurückerobern als nur wiederentdecken. Jeder Schritt fühlt sich schwer an. Auch physisch, bei der Sommerhitze hab ich Wasser in die Beine bekommen und es wurde ein kleiner Venenverschluss gefunden. Juchu, auch noch ne Thrombose… wenns schlecht läuft. Im Moment geht es. Und auch ich gehe nur, statt zu laufen. Langsam aber stetig. Und viel die Beine hochlegen. Und Daumen drücken, dass der Aufzug nicht ausfällt.

Ich bin in das achte Stockwerk gezogen. Trotz und wegen massiver Höhenangst. Schlimmer als das letzte Jahr konnte sie eh nich tmehr werden, denke ich. Also dran arbeiten. Meine Psychologin hat mich dennoch angeschaut, als wäre ich geistesgestört, als ich ihr das erzählte. Ich meine jedenfalls, zum ersten mal ihren Gesichtsausdruck für einen Moment entgleisen sehen zu haben.

Ich habe ihr gesagt, dass wir doch eh das Thema angehen wollten. Ich hab halt schonmal vorgelegt und mit der Konfrontationstherapie begonnen. Der Fernblick auf dem Balkon ist jedenfalls gut. Wenn ich nicht rausgehen mag, schau ich halt durchs Fenster. Oder verkrieche mich auf der Couch. Sieht aus, als würde das ein langer Weg bis zur deutlichen Besserung.

Sich selbst die Wohnung neu zu gestalten macht Spaß. Dauert zwar lang und ich bin immer noch mit dem befreien von Ballast beschäftigt. Sich zu trennen und wegwerfen will gelernt sein. Wann sollte das besser gehen als jetzt? Es ist der Weg in die nahe Zukunft. Was ist mir wichtig? Was brauche und benutze ich? Was ist überflüssig? Was will ich?

Ein bis zweimal die Woche begebe ich mich in die Innenstadt oder woanders hin, wo es größere Menschenansammlungen gibt. Das klappt inzwischen immer besser. Und wenn Panik aufkeimt, ist das halt so. Ich ziehe mich dann raus, irgendwo abseits, wo wenig oder nichts los ist und gebe mir etwas Zeit, bis es wieder geht. Und dann wieder ins Getümmel.

Nur alleine in der Wohnung abhängen ist auch nicht ideal. Ich sorge dafür, ab und an Besuch zu haben und gehe selber gelegentlich raus. Hab mir wieder einen Stammtisch gesucht und suche generell losen Anschluss. Eine Brettspielrunde hier und da ist auch was feines und förderlich.

Zu ein paar Flirts beim einkaufen ist auch schon gekommen. Fühlte sich gut an. Hab danach breit gegrinst. Aber mehr auch nicht. Ja doch, ein Date hatte ich. Da ist mir vor allem eines klar geworden. Ich will vorerst keine partnerschaftliche Beziehung. Das passt gerade zu null Prozent in meine kleine Lebenswelt. Vor allem nicht in die Gefühlswelt. Ich will mich niemandem zumuten. Ich will mir niemanden zumuten. Nicht auf der Ebene. Und meine Freiheit habe ich noch nichtmal gefühlt wirklich zurückerobert. Sylvester hatte ich überlegt auf eine Party zu gehen und mich schonmal unverbindlich vorangemeldet. Habs gelassen. Da war mir nicht nach.

Die Wohnung hab ich so langsam in einem Zustand, dass ich mich wohlfühle und es erstmal nichts dringliches mehr zu erledigen gibt. Vielleicht mache ich demnächst einen Malkurs. Oder irgendwas in der Art. Ein Yoga-Auffrischungskurs wäre auch was. Schritt für Schritt. Wenn ich auf Füller und Tinte im neu eingerichteten Schreibtischbereich sehe, kitzelt es mich inzwischen wieder zu schreiben. Die ersten Notizbuchseiten wurden bereits einpigmentiert, naja eher vollgekritzelt.^^

Das entspricht schlussendlich dem, wohin mich dieser ganze Beitrag zum neuen Jahr führt. Die meisten Seiten sind noch leer. Kein Plan, womit ich sie füllen werde. Keine Ahnung, was das Leben mir dazuschreiben wird. Sieben der dreihundertfünfundsechzig Seiten sind bereits gefüllt. Ich beschränke mich gedanklich auf die nächsten Seiten. Das ist mein Horizont. Was dahinterliegt, ist unwichtig. Ich werde es ohnehin erfahren. Wenn ihn erreiche… und wenn mein Blick aufklart, erweitert er sich. Dafür muss ich nichtmal Segel setzen. Aber es hilft, endlich wieder das Steuerruder in die Hand zu nehmen.

Ich wünsche euch für 2019 die Hand am Steuer und Wind in den Segeln. Wenn keiner aufkommt: Selber pusten oder mit dem Ruder in See stechen! Wer mag, kann sich auch treiben lassen. Und wenn sich das Wetter aufklart und was sich dahinter am Horizont verbirgt als unerwünscht entpuppt, ihr könnt immer noch abbiegen und neue Wege finden. 😉


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12 Kommentare zu „Frohes Jahr 2019!

Gib deinen ab

  1. Ein gutes 2019 auch dir.
    Wie wäre es, wenn du es einmal mit Origami versuchst? Man kann sich wunderbar dabei konzentrieren, es hat klare Linien und ist kreativ zugleich und man kann es jederzeit für später zur Seite legen.

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    1. Ist nicht so unbedingt mein Ding. Abe rich hab ja schon Fotografie, schreiben, ausmalen, malen, zeichnen und mit Holz basteln für den Bereich. Das reicht mir eigentlich im großen und ganzen 😀

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