Kritzelei #4 Doodledidum

Ein bisschen Gekritzel verbunden mit mal ein wenig neuem aus den Düstermooren 🙂

Der Bringer des Nichts

Auf dem Weg nach Altstadt jenseits der Düstermoore hatte ich mich in den Sümpfen der Verzweilfung verirrt. Niemals zuvor war ich so tief in die Moore vorgedrungen, erkannte auch kaum etwas wieder. Seit meinem letzten Besuch hatte sich viel verändert. All die Farben, die ich in das Grauen gebracht hatten waren entweder verschwunden oder hatten sich zu bloßen Kontrasten in den Hintergrund drängen lassen und betonten nunmehr die Schreckensabbilder der Moore. Dämpfe stiegen auf, benebelnd und sinnesraubend. Mir war schlecht und zugleich schummrig vor Augen. Dennoch bahnte ich mir tapfer weiter den Weg durch den sumpfigen Untergrund. Ob das reichen würde, um sicher auf der anderen Seite anzukommen und den Weg nach Altstadt fortzusetzen, wo ich vielleicht finden würde, was ich suchte?

Aus der Ferne, wo die Höhenangstfälle aus den Sorgenbergen in den Gefühlsstausee hinabstürzten, nahm ich eine plötzliche, schnelle Bewegung wahr. Was auch immer das war, es kam sehr schnell auf mich zu. Intuitiv macht ich einen Schritt rückwärts, hektischen Blickes einen Fluchtweg suchend, da war ich auch schon unvorsichtigerweise mit dem Fuß in einSumpfloch getreten und steckte darin fest. Hilflos versuchte ich vergeblich ihn wieder herauszuzuziehen, vergeblich. Es blieb mir nichts über, als auszuharren und auf das zu warten, was mir da so rasend schnell entgegeneilte.

Sekunden später konnte ich bereits die genauen Umrisse erkennen, einen Moment später hatte mich das Ding erreicht, umkreiste mich einmal, um dann bedrohlich nahe vor mir stehen zu bleiben. Was ich sah, war furchteinflössend.

Ein riesiger Leib aus ineinander verdrehten Schlangen und Hornhaut, die sich wie riesige Schneckenhäuser aus dem Körper erhoben. riesige Tatzen mir langen scharfen Krallen und mehrere Köpfe mit grotesk langen Hälsen, die sich wanden. Mächtige Hauer standen als Zähne aus den Mäulern hervor und die Augen starrten mich mit geradezu hypnotischer Wirkung an, während die Köpfe fortwährend auf und ab, vor und zurück, nach rechts und links schossen.

Die durchdringende Stimme klang wie aus einer anderen Dimension kommend, als sie zu mir sprach. „Das Du Dich wieder hertraust, alle Achtung, damit hätte ich nicht gerechnet. Du musst doch wissen, dass das Deinen Untergang bedeutet. Du hast hier keine Macht mehr.“

Was war das bloß für eine Kreatur? Hatte der Hass sie erschaffen, als er dank meiner Unvorsichtigkeit hier damals alles an sich gerissen hatte?

„Nein, nicht der Hass, ich bin dem Nichts entsprungen.“

Offenbar konnte es meine Gedanken lesen. Viele hatte ich ohnehin nicht mehr davon. Die hypnotischen Augen zwangen mich in Starre, nicht nur körperlich, auch geistig. Ich ließ mich selbst immer mehr los, drohte abermals ins Nichts zu fallen.

Aber ganz gab ich mich noch nicht geschlagen. „Du kannst mir nichts anhaben. ich sehe die Unendlichkeit in Dir.“ Ich deutete auf seinen Leib, in dessen Mitte sich etwas breitmachte, dass äußerlich der Blendenlamelle eines Kameraobjektivs glich. Der Blick in dessen Mitte führte in die Unendlichkeit.

„Ja, das hast Du richtig erkannt, sieh nur hinein.“

Ich ließ mich nicht ablenken. „Das ist nur eine Illusion, oder ewige Wahrheit, je nachdem. Entweder ist alles unendlich oder nichts. Im ersten Fall sind wir eins und Du kannst mir nichts antun ohne dich selbst zu vernichten. Was nicht möglich ist, da wir unendlich sind. Du wirst also keinesfalls mein Ende sein. Im zweiten Fall wärest Du nichts und ich alles, doch da alles nicht Nichts sein kann, kannst auch Du wiederum nicht mein Ende sein. Hach, ich könnte unendlich so weitermachen.“, feixend starrte ich die Kreatur an. Dabei war ich mir nichtmal im mindesten sicher, ob mein argumentieren irgendeine Wirkung auf sie haben würde, oder ob ich bloß Zeit schand… welche Wahl hatte ich allerdings? Mit jeder Sekunde, die ich meinen Blick nicht von diesen irren Augen abwenden konnte, schwand mehr Energie und Geisteskraft. Aber noch versuchte ich, mir nichts davon anmerken zu lassen.

Unbeeindruckt, wenn auch für einen Moment überlegend, trat das bestialische Wesen näher heran. Leise und doch durchdringend spuckte sie mir dabei ihre Worte entgegen. „Ich sagte nichts von deinem Ende, sondern deinem Untergang. Du bist nicht alles und ich nicht Nichts. Ich bin die Unendlichkeit und Du das endliche, gefangen im Nichts. Das macht dich nicht unendlich, aber es wird dir so erscheinen.“

Krampfhaft versuchte ich die Augen zu schließen, endlich dem Blick dieser irren Fratze und ihren bannschlagenden Augen zu entgehen. Es half nichts. Langsam verdrehten sich meine Augen, ich kippte nach vorne versank im Morast des Nichts.

© Jo Wolf (aus „Jojo in den Düstermooren“, 2019)

 

 

6 Kommentare zu „Kritzelei #4 Doodledidum

Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: