Am Pommeswagen

Zum Ruhrgebiet gehört auch ne richtige Currywurst, jedenfalls verbinden das die meisten mit der Region. Ehrlich gesagt sind die Lokalitäten, die eine gute Currywurst anbieten, rar geworden. Ich esse daher gerne auch mal eine Zwiebelwurst, jedenfalls bei einem bestimmten Pommeswagen. Ob so oder so, auf jeden Fall sind die Buden, an denen man oft was erleben kann, ein fester Bestandteil des Potts.

 

Gerade eben geschafft, kurz vor 8 Uhr, meine bevorzugte Pommesbude hat noch auf. Es gibt dort die beste Zwiebelwurst der Stadt. Vor mir bestellt ein Pärchen. Er groß, breit und tief, sie weniger.

Er legt mit lauter Stimme vor. „Doppelte Currywurst, doppelt Pommes, doppelt Maio und ne große Cola, ja genau, ein Liter!“ Da er sicher nicht mehr größer wird, arbeitet er wohl an Breite und Tiefe.

Eine einzige Bratwurst liegt noch auf dem Rost. Lass die bloß was anderes nehmen, heiliger Urknall noch eins, ich will jetzt ne Zwiebelwurst.

Ein doppelte Pommes rotweiss und eine Diatcola bitte.“ Hurra, ich wurde erhört, die Wurst ist mein!

Er guckt sie tadelnd an. „Da kannste auch gleich ne richtige Cola nehmen statt der Plörre, wenn Du eh Maio frisst, ist das auch egal!“ Sie verzieht das Gesicht ohne zu antworten.

Ja geil, Bullshit Bingo, innerlich falten sich erschüttert meine Hände vor dem Gesicht zusammen. So gerne würde ich ihm rechnen beibringen. Nee, in Wahrheit will ich das nicht, aber es fällt mir schwer, nichts dazu zu sagen.

Folgerichtig versage ich bei dem Versuch. „Ja eben, wenns draussen regnet und ich keinen Südwester dabei hab, lass ich den Regenschirm auch gleich im Haus. Hat ja keinen Sinn dann.“

Siehste, der versteht mich, genauso isses. Vielleicht hörste wenigstens auf andere!“ hackt er weiter auf seiner entnervt dreinschauenden Frau rum.

Ich muss dringend an der Verstehbarkeit meines Sarkasmus arbeiten. Viel wichtiger aber ist, ich bin mit bestellen dran.

Zwiebelwurst mit Pommes und eine Diätcola bitte!“, jetzt schaut der Große verduzt. Ob der Groschen bei ihm doch noch fällt? Ich hoffe es, denn eigentlich wollte ich was ganz anderes trinken. Aber verstanden zu werden, ist mir nunmal äußerst wichtig.

Sauce ist aus,wir machen gleich zu.“

Die mir in das Gesicht geschrieben stehende Enttäuschung bewegt sie zu ein wenig Mitgefühl. „Nur noch Bratwurst mit Senf, aber ich gebe ihnen die ganzen restlichen Pommes auf die Schale. Aber nicht, dass sie die hinterher wegwerfen, dann hätten wir die auch anders besser loswerden können!“

Der strenge Blick dabei sagt mir, dass sie das wirklich ernst meint. „Ehm, ja ist gut, ich geb mein Bestes.“ Die jüngere Kollegin der Verkäuferin kichert mich an, während die dritte sich um die Getränkeversorgung kümmert.

Während ich kurz später mit der übergroßen Portion Kartoffelstäbchen ringe, ereifert sich der Koloss über die Sinnlosigkeit von Diätcola. Scheinbar hat er inzwischen doch verstanden, denn er schaut dabei immer wieder grimmig zu mir rüber. Ausgezeichnet, ich hatte mir schon Sorgen gemacht.

Den letzten Bissen noch mühsam schluckend, kriegen die Damen hinter der Theke im Weggehen einen guten Abend gewünscht. Die Rollade ist bereits heruntergelassen.

Hat er aufgegessen?“ hört man es dahinter hervor bellen.

Ja, Teller ist leer, ich habs gesehen!“ eilt mir die junge Imbissdame zur Seite.

Ja hatter!“ rufe ich ihr zu.

Ja, fein gemacht, so ist es brav!“ wirft sie zurück.

Bekomme ich jetzt Nachtisch als Belohnung?“

Nein, nichts gibt’s, wir haben geschlossen!“

Na toll und wofür dann die ganze Mühe? Mir ist sogar ein bisschen übel!“

Dann kriegen sie jetzt eh nichts mehr runter.“

Sie bekommt noch ein grinsend gegrummeltes „Das hat man davon, wenn man lieb sein will, so ein Schuss in den Ofen.“ und verschwinde dann im wiedereinsetzenden Regen. Meine Schuld ist das jedenfalls nicht.

Zuhause angekommen hau ich mich vor die Glotze. Den Nachtisch kann sie mir ja streichen, aber ins Bett schicken lasse ich mich noch lange nicht.

 

© Jo Wolf 2019

6 Kommentare zu „Am Pommeswagen

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