Fortgeschrittener Schreibrausch

Es gibt Phasen, da habe ich nicht viel niederzuschreiben, oder sogar garnichts zu erzählen. Vielleicht fehlt mir die Lust oder anderes ist wichtiger. Oder ich stecke inmitten einer Schaffenskrise. Kreative Pausen sind auch mal nötig. Dann gibt es das Gegenstück. Phasen in denen es einfach auf das Papier fliesst, oder etwas in meinem Kopf die Worte unbedingt fliessen lassen will…

 

Hunger, ich habe Hunger, ich kann jetzt nichts essen, muss tippen. Wieso steht da immer noch nichts auf dem Bildschirm? Hatte ich nicht schon die Einleitung? Seit wann schreibe ich überhaupt Einleitungen? Das habe ich noch nie gemacht, so ein Humbug, wieso habe ich das gerade gedacht? Im Wasserglas müsste doch noch ein Tropfen sein, man hab ich Durst. Egal. Gleich gehts in die Küche. Zusammenzucken und aufschrecken Bin ich jetzt ernsthaft weggedöst? Ich hab doch eben noch geschlafen… kürzlich…

Aufrecht hinsetzen und kurz die Gließmaßen recken Also, worum gings nochmal, achja die Geschichte wie ich damals – nein. Das ist total uninteressant, jedenfalls wenn ich das so erzähle. Wie kann es sein, dass ich jetzt schon wieder aufs Klo muss, ich hab doch ewig nichts getrunken? Naja, gleich, eben noch durch die Bilderordner gucken. Da war doch dieses Bild, wo ich einen Text zu schreiben wollte. Was war das noch? Ach, da hatte ich doch schon was fertig im Notizbuch. in aller Seelenruhe im Notizbuch blättern und bei der Gleegenheit auch das Skizzenbuch durchblättern

Unglaublich, wieviel da inzwischen drinsteht. Ohnehin ist das ne ganze Menge geworden, auch im Skizzenbuch. ein bis zwei Stunden kritzeln ist ganz gut geworden, naja, Strichführung mehr so mittel, bisschen krakelig alles, hab so unruhige Hände, mal was trinken. Versuch, einen Tropfen Wasser aus dem Glas zu wringen Wie kann das sein, ich war doch eben noch was holen!?

So, die Fotos… richtig, das wars, die Ruinen. Ich wollte doch die Gruselsagen weiterschreiben. Da hab ich jetzt schon ein paar Jahre nichts mehr dran gemacht, unglaublich. Hatte mir extra die Sagensammlungen aus aus meiner Heimat von Papa geliehen damals. Hab ich dem die noch garnicht zurückgegeben? Wühlen im Umzugskarton Tatsächlich, da sind die ollen Schinken.

Meine Güte sind die scheiße geschrieben, kann mich noch erinnern, dass der alte Bürgermeister damals geschimpft hat wie ein Rohrspatz, als die veröffentlicht wurden „Das Papier nicht wert, auf dem der Müll gedruckt wurde!“ Tja, man muss nur was damit anzufangen wissen, guter Rohstoff für richtige Geschichten ist das allemal, immerhin ne mehr als 100 Jahre alte Zettelsammlung mit Legenden, Mythen, Sagen und vor allem abergläubischen Belanglosigkeiten, die da zusammengeklaubt wurden.

Wenn ich die Orte des Geschehens endlich weiter abklappere, fahre ich diesmal aber echt mit dem Roller. Das wird ne tolle Tour. Allerdings erst wenn die Temperaturen gestiegen sind. Was sagt denn Google Maps dazu? Hm, das werden schon viele Kilometer und das mit der ollen Tretmühle. Egal, wird ein Abenteuer.

Ist die Kamera überhaupt aufgeladen? Seit dem Umzug habe ich die noch nicht benutzt. Wieso eigentlich nicht? Wir haben schon die ganze Zeit vor, die Lost Places hier in der Nähe aufzusuchen. Zumindest mal anfangen. Das mit der Vollformatkamera schiebe ich aber auf, viel zu teuer im Grunde. Oder wie stehen die Preise gerade? Mal recherchieren. Und danach dann wirklich ins Bad und in die Küche, Essen und Getränke holen.

Geht ja doch preislich, mit den gebrauchten Kameras. Warum zur Hölle gucke ich jetzt überhaupt danach? Ich war beim schreiben. Also, weiter gehts. Skelett. Verfluchtes Haus. Der Knecht. Und nu?  Tippen und wieder löschen und wieder tippen, umstellen, neu tippen, ziemlich lange weiterschreiben Mann, was für Bockmist! Aber so ne Art von Geschichte schreit doch förmlich nach einer Einleitung. Mit der fang ich an, dann wird mir auch selber klarer, wohin ich damit überhaupt will.

Skelett. Dachboden. Ein Truhe. Hm, wie ist das überhaupt, in Rollenspielen machen Schusswaffen deutlich weniger oder garkeinen Schaden gegen Skelette. Klar, man verfehlt sie leichter indem man einfach zwischen den Knochen durchschießt. Aber so grundsätzlich richten Kugeln doch Schaden an Knochen an. Mal recherchieren.

Schon wieder leer, die Dampfe, nicht zu fassen. Röchelndes Husten aufgrund des angekokelten, trockengedampften Verdampfers, vergeblicher Versuch, diesen mithilfe eines Schlucks Wasser zu lindern, auswringen des letzten Tropfens Eistee aus dem Tetrapack direkt in den Mund hilft auch kaum weiter … nachfüllen des Dampfgerätes mit Sahneliquid, weiterrauchen und sich der Recherche widmen

Die geben sich immer soviel Mühe bei der Ausgestaltung der Rollenspielwelten, allein die ganzen Landkarten, das habe ich schon ewig vor, für die Düstermoore zu machen. Bestimmt gibt es gute „How to….“ Videos auf Youtube zum Kartenzeichnen. Tatsächlich. Inteerssant, sogar eine ganze Menge.

Gute Stifte dafür habe ich jedenfalls. Versuchsweise kritzeln einer Karte der Düstermoore und Umgebung während das Lernvideo weiterläuft Neee, das passt alles nicht, muss ich irgendwann mal in Ruhe machen. Vielleicht erstmal ne Landschaftsbeschreibung zur Orientierung schreiben.

Skelett. Pistole. Nacht. Skele… warum sind die Skelette eigentlich in der Filmlandschaft so unterrepräsentiert? Mit der Technik heutzutage müssten die da doch wunderbare Exemplare hinbekommen. Die Zombiewelle geht mir mittlerweile genauso auf den Keks wie die Vampirella Glitzermode im Zwielicht damals. Hollywoodausverkauf halt. Hätte nicht gedacht, dass es mit den modrigen Gammelkerlchen jemals genauso weit kommen würde.

Der Knecht. Mistgabel. Acker. Das wird so nichts… Ha! ich mach da einfach Drabbles draus. Das kommt dem Stoff auch entgegen. Und meiner Müdigkeit noch viel mehr. Das mit den drei Stichworten und daraus dann ein Drabble schreiben war immer spaßig. Schade das Elestell scheinbar ihren Blog aufgegeben hat. Die hat die Drabblefahne noch hochgehalten. Mal suchen, vielleicht gibts ja doch neue.

Nein, keine neuen Drabbels in WordPress. Ist wohl an mir, mal wieder eins zu fabrizieren. Mach ich einfach jetzt. Wo sind die Storycubes zum Stichworte würfeln? Und ab die Post! die Würfel purzeln wild hüpfend in den Würfelteller Oppossum, Flugzeug, Wasserballett. Na super. Ich bleibe bei meinen Gruselgeschichten.

Da in der Smoothiepulle muss doch noch ein Rest sein. Zunge so tief wie möglich in den Flaschenhals stecken und enttäuscht feststellen, dass schon beim letzten derartigen Versuch vor Stunden alles trockengeleckt wurde, dasselbe bei der Kaffetasse, sich selbst bei dem Unterfangen aus der Vogelperspektive beobachten und sich vor sich selbst ekeln Warum bloß mache ich sowas? Und warum bin ich immerzu der Depp, der sich in meinem kranken Kopf aufhalten muss? da könnte doch auch mal wer anders den Kackjob übernehmen… hm, nee besser nicht, das ist eine schlechte Idee. Los, schreib endlich die Geschichte!

Jetzt aber… Skelett, Fluch, eine Nacht im Keller der alten Burg überstehen ohne wegzurennen für einen Beutel voll Goldstücke. Das ist es. Und wenn es das nicht ist, dann mache ich das daraus! Geht doch nicht an hier, dieses ewige Rumgeeier. Keinen Bock mehr. Und der Protagonist kriegt die ganze Nacht nichts zu trinken, da kann er mal sehen, wie das ist.

Zügiges Tippen, vorangetrieben durch ein letztes, wenn auch dehydriertes, Aufbäumen. Nach 30 Minuten fertig sein, abspeichern und sich aufs Sofa schleppen. Feststellen, dass sich davor auf dem Couchtisch noch eine volle Flasche Mineralwasser und ein halb leer getrunkenes Glas Ginger Ale befinden. Versuchen zu weinen, dafür allerdings erst Flüssigkeit zu sich nehmen müssen. Danach leicht wegdämmern, sich durch den plötzlich deutlich spürbaren Druck auf die Blase erinnern, dass der Toilettengang noch immer aussteht, kurz überlegen, es einfach laufen zu lassen, sich seines letzten Restes Würde gewahr werden und doch ins Bad schleppen, den Rückweg kriechenderweise zurücklegen und dann auf dem flauschigen Wohnzimmerteppich einschlafen.

Nach dem Aufwachen die kurze Phase der Orientierungslosigkeit überwinden, sich dann einen Kaffee kochen, die Dampfe nachfüllen und gut gelaunt an den Rechner setzen, um die Geschichte nochmal mit klarem Blick zu lesen.

Oh man, was für ein Rotz. Und die „Bleib in dem Gruselgebäude für eine Nacht“-Nummer  ist uralt und ausgelutscht.

Frustriert den Bildschirm zerknüllen und auf den Boden werfen, einen neuen vom Monitorblock abreissen und von vorne anfangen.

 

 

 

8 Kommentare zu „Fortgeschrittener Schreibrausch

Gib deinen ab

  1. Wow, was ein Rausch! Lust- oder leidvoll oder beides? So schreibe ich nicht, bei mir geht es eher Stück für Stück, manchmal leicht, manchmal mühsam. Könnte dich drum beneiden, aber bin mir nicht sicher, ob ich es so haben wollte…😉
    Apropos Drabble: brauchst du extrinsische Motivation, um diese fortzusetzen? Ich jedenfalls bin gespannt… Grüße von Matthias

    Gefällt 1 Person

    1. Ganz klar beides. Der Normallfall ist das bei mir natürlich ebenfalls nicht 😉
      Extrinsische Motivation? In welcher Form…? 😀 Die werden weitergehen, ich hänge gerade an einer formalen Grundsatzentscheidung, aber das wird schon 😉
      Liebe Grüße, Jo

      Gefällt 1 Person

  2. In welcher Form? Hm… Eine Reaktion darauf erstmal, denn die Kommentare halten sich ja in Grenzen (vielleicht weil sich Viele nicht trauen. Ich bin sicher, es sind noch mehr Menschen gespannt auf die Fortsetzung). Ansonsten: ein Gegen-über. Ein Anstoß. Eine kleine Verwicklung vielleicht? Alles schriftlich versteht sich. ;-))

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: