Impressions of Hamburg (4) – Reeperbahn

Pictures by Lyrix, 2022

Lyrix auf der Reeperbahn

Bei einem Besuch des Hafens und in St. Pauli darf natürlich ein Gang über die Reeperbahn nicht fehlen. Die erste Ortserkundung machte ich abends ohne Ley, die bereits von dem Langen Tag war und sich im Hotel zu Bett gelegt hatte.

Selbst für eine Montag Nacht war wenig los, was in dem Fall heißt, immer noch mehr als anderswo Samstags nachts. Die vielen bunten Lichter der Geschäfte, Clubs und Kneipen, das nächtliche Treiben der Besucher, Stimmen, Musik, Motorenlärm, all das empfand ich als Reizüberflutung.

Dennoch gut gelaunt und mit meiner kleinen Lumix bewaffnet zog ich durch die Straßen. Obwohl mir klar war, dass bei Nachtlicht keine wirklich guten Fotos entstehen würden hatte ich Lust darauf, zumindest ein wenig von der Stimmung auf dem Kiez einzufangen. Ich glaube, dass ist mir gelungen, nicht nur mit Bildern sondern auch mit dem erlebten, von dem ich jetzt erzähle.

Ich ging gerade am Club vorbei, der Olivia Jones gehört, der Name dürfte den meisten ein Begriff sein. Im Fernsehen war Deutschlands Vorzeigetravestiekünstler jedenfalls phasenweise omnipräsent, soweit ich mich erinnere… da wäre ich fast in eine Prügelei geraten. Während Olivia Jones vor seinem Club Gäste unterhielt, prügelten sich zwei Typen vor meiner Nase her. Allerdings eher harmlos und unkoordiniert, ich hatte den Eindruck, dass beide unter dem Einfluss irgendwelcher Rauschmittel standen.

Der eine ging zu Boden, als ich gerade den bekannten Kaiserkeller ablichtete. Er schlug mit dem Kopf auf, kam wieder auf die Beine, schüttelte sich und baute sich dann mit gehobenen Fäusten direkt vor mir auf. Ich glaube, dem war nicht klar, dass ich nicht der Typ war, mit dem er sich gerade gehauen hatte. Ich hielt ihm einfach meine Handfläche mit halb ausgestrecktem Arm vor die Nase und sagte ihm, er solle Abstand halten. Er überlegte noch einen Moment und trollte sich dann, um an wem anders eine Art „Chuck-Norris-Gedächtnis-Roundhouse-Kick“ zu versuchen. Hat nicht so gut geklappt, er traf nur die Luft und fiel wieder hin. Gute Güte, Leute gibts. Die Stiimung war ihm allgemeinen allerdings nicht so aggressiv auf der Reeperbahn, nicht das hier ein falscher Einruck entsteht.

Auf dem Rückweg kam ich an einem Platz mit Hans-Albers-Denkmal vorbei. Das habe ich natürlich bildlich festgehalten, allerdings erst am nächsten Tag, im hellen, denn ich wurde abgelenkt. Und das war folgendermaßen…

Wie ich so vor mich hin knipste, näherten sich mir einige schöne, junge Maiden und begehrten meine Anwesenheit in einer ihren Wohnungen, zum Zwecke der sexuellen Aktivität gegen Bezahlung. Ich lehnte dankend und höflich ab, was allerdings nicht so recht dazu führte, dass sie von mir und ihrem Vorhaben abließen. Besonders eine war ausgesprochen ausdauernd. Dabei enstand folgender Dialog:

Fachkraft für Sexuelle Dienstleistungen (ich nenne sie im folgenden „Freyah“, weil ich den Namen nordisch und auch sonst passend finde): Na süßer, jetzt zier dich nicht so, komm schon.

Lyrix: Nein, danke, sehr lieb, dass du fragst, aber ich will nur fotografieren.

Freyah: Das kannst du doch immer noch, jetzt kannst du mit mir was viel schöneres machen.

Lyrix: Da bin ich sicher, aber ich bin wirklich nicht in Stimmung, weißt du.

Freyah: Na sag doch mal, worauf stehst du denn?

Lyrix: Ich stehe auf Hans Albers. Zumindest auf seine Filme.

Freyah: Ach komm, der ist doch steinalt, ich bin noch jung!

Lyrix: Der ist nicht alt, der ist tot!

Freyah: Siehst du, dass passiert dir mit mir nicht, ich bin quicklebendig!

Lyrix: (laut lachend) Ja, das sehe ich, aber ich will trotzdem nur knipsen.

Freyah: Na komm schon, ich kann tolle Sachen mit dir machen.

Lyrix: Ja, das glaube ich, aber meine liebe Ley wartet im Hotel und da gehe gleich hin.

Freyah: Na, die wartet auch noch ein bisschen länger. Kannst du zuerst Spaß mit mir haben.

Lyrix: Nee, aber weißt du was, vielleicht bringe ich sie ja morgen mit! (zwinkert ihr zu)

Freyah: Na, da musst du mich doch vorher ausprobieren, oder willst du ihr was mit einer zumuten, von der du nicht weißt, ob die gut ist?

Lyrix: Nee, ich hatte eher vor, sie vorzuschicken und dich austesten zu lassen, ob du gut genug für mich bist!

Freyah: (prustet los) boah, bist du ein Arsch, voll grausam.

Lyrix: Klar bin ich grausam, viel mehr als du denkst!

Freyah: Ah stehst du da drauf? Gemein sein? Willst du zu mir ein bisschen gemein sein?

Lyrix: Ich dachte, das wäre ich schon…. Hm

Freyah: Oder, noch lieber wäre mir, wenn ich ein bisschen gemein zu dir bin, wie wäre das?

Lyrix: Bestimmt toll, aber wie gesagt, ich will nur Fotos machen. (versucht Hans Albers angebliche Stammkneipe abzulichten)

Freyah: Normal und schnell geht auch. 60 €

Lyrix: Sag mal, das kann doch nicht rentabel sein, dich so lange mit mir abzugeben? Würds nicht mehr Sinn machen, dir jemanden mit besseren Erfolgschancen zu suchen?

Freyah: Na wen denn? Schau dich mal um!

Lyrix: (sieht sich auf dem Platz um, niemand sonst da, nur er und die Sexarbeiterinnen) Oh!

Freyah: Verstehst du jetzt mein Problem?

Lyrix: Ja, ich sehe was du meinst. Das hat trotzdem keine Erfolgschance mit mir.

Freyah: Na gib dir nen Ruck, du willst das doch, das sehe ich!

Lyrix: (schmunzelnd) Ich gehe jetzt einfach mal weiter, so toll ich dich auch finde.

Ich habe mich dann freundlich von ihr und ihren Kolleginnen verabschiedet, ihnen allen nochmal mitgeteilt, dass sie wirklich attraktiv sind und ich ihnen viel Glück und einen möglichst erfolgreichen Dienst wünsche. Winkend ging ich um die Ecke, wo 2 Meter weiter an einer Laterne eine weitere Fachkraft für sexuelle Dienstleistungen wartete. Filmreif lehnte sie sich an den Laternenpfeiler, die Arme lässig verschränkt, die Augen halb geschlossen und es fehlte nur, dass sie ein Lied pfeift oder eine Kippe schräg aus dem Mundwinkel hängen ließe. Ich nenne sie mal „Jacky“.

Jacky: Na süßer, Lust auf ne heiße Nummer?

Lyrix: (lacht laut los) Ernsthaft jetzt? Du sprichst mich an, nach dem du gerade diesem Gesprächsverlauf gefolgt bist? Das kann nicht dein Ernst sein….

Jacky: Ich habs besser drauf als sie!

Lyrix: (dreht sich nochmal musternd zu Freyah um) Bist du sicher? Deine Kollegin kam mir verbal schon ziemlich stark vor…

Jacky: Ganz bestimmt. Mit dem Mund bin ich die Beste. Komm, ich zeigs dir!

Lyrix: (schaut sie einen Moment an und löst dann schnell den Blick) Okay, ich muss jetzt hier weg. Nimm es mir nicht krumm, ich bin überzeugt, dass du der Hammer bist, aber ich gehe jetzt einfach ins Hotel zurück und will auf dem Weg dahin wirklich nur Fotos machen. Alles gute dir!

Jacky: Überleg es dir unterwegs lieber nochmal, du verpasst das beste hier.

Lyrix: (flaniert hurtig von dannen, so hurtig, wie es sich eben flanieren lässt, während man nebenbei noch Fotos schießt)

Ich bin dann am Hafen entlang heimspaziert. Im Hotel hab ich mich zu Ley ins Bett gekuschelt und mich drauf gefreut, ihr am nächsten Tag von meinen nächtlichen Erlebnissen zu erzählen.

Wie es weiter ging, erfahrt ihr in Teil 2 meines Reeperbahnberichtes. 😉

(Für die eher mittelmäßigen Fotos entschuldige ich mich, ich war abgelenkt, hab freihand bei langen Verschlusszeiten geschossen und die Lichtverhältnisse schwierig)

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