Worte der Weisheit und der Sommer ’89

Heute werfe ich ausnahmsweise auch mal ein paar Worte der Weisheit in den Ring. Zitate setze ich normalerweise sparsam ein. Ich glaube, irgendwo habe ich auch mal was davon gefaselt, wenn überhaupt, dann nur mich selbst zu zitieren. Das ist zwar nicht wirklich ein Grundsatz, aber im folgenden bleibe ich ihm dennoch treu:

Eine Wiedervereinigungs Deutschlands wird es auf viele Jahre hinaus nicht geben. Vielleicht in ferner Zukunft. Die Gräben sind zu tief, die Mauer zu hoch, die Machtstrukturen zu gefestigt. Selbst wenn sich drüben was regt oder sogar ins Wanken gerät, dass ist nur eine vorrübergehende Brise, kein Wind und schon gar kein Sturm. Es dauert noch lange, bis sich in der Richtung wirklich etwas verändern kann. Dann sind wir vermutlich schon alt, Morten. Ich hoffe, wie erleben es noch mit.

Jo Wolf, Sommer 1989

Tja, da gibt es wohl nicht viel hinzu zu fügen. Zu meiner Verteidigung kann ich anführen, dass ich normalerweise eher ein Optimist und zu dem Zeitpunkt ziemlich betrunken war. Es war mitten in der Nacht, wir hatten es uns wie so oft am Baggersee bei einem Lagerfeuerchen gemütlich gemacht und diverse Flaschen Bier, Wein und irgendso ein süßes Fruchtschaumsektgesöff in Strömen den Hals vorbeigegossen. Es war der Sommer, in dem ich zu rauchen begann, Bekanntschaft mit Haschisch machte, dass ich auch wirklich inhalierte und die freudbringenden Möglichkeiten entdeckte, die die intensivere Auseinandersetzung mit Mädchen mit sich brachte.

Wir haben Party gemacht, diskutiert, Rockbands gegründet und auf Livekonzerten vor ein paarhundert Leuten abgefeiert. Ich war Manager, Rowdie und mit Toilettenpapier mumifiziertes Bühnenmaskottchen. (Danke, Silke! xD ) Stagediven war großartig, selbst wenn man von Morten (an der Gitarre) mittels Fußtritt in die Menge gestoßen wurde.

Die Songs hießen „Trashers Paradise“, „Shake the beer“ und „Holiday in Germany“ und der Titel war Programm. Na gut, in Holland waren wir auch zelten. Und in Südfrankreich, aber das kam erst später. Da habe ich auch meine erste große Liebe getroffen, aber das ist eine andere Geschichte und soll am besten garnicht erzählt werden, denn sie endete unglücklich.

Der Sommer 1989 war geprägt von Unbeschwertheit, Freundschaft, sehr viel Unfug und noch mehr Abenteuern. Politik, Familie und Gesellschaft waren uns trotzdem nicht scheißegal und deswegen gab es auch Titel wie „Fed Up“, „Perfect World“ und „Only way out“. Das Lebensgefühl war allerdings „On my way“ und das obwohl wir im Grunde keinen tragfähigen Plan für die eigene Zukunft hatten. Aber wir hatten uns, als Freunde. Das war das wichtigste.

Es war aber auch die Zeit von Lichterketten für den Frieden auf dem Schulhof, während derer ein gewisser Jojo fast die Schule in Brand gesteckt hätte, weil er lieber mit seinen zwielichtigen Klassenkameraden im Unterrichtsraum blieb, um die Wände zu „verschönern“. Die Zeit von metergroßen Sprühschriften an der Schulwand, um seinen Mißmut gegenüber noch viel zwielichtigeren Lehrgestalten Ausdruck zu verleihen. Und die Zeit von nächtlichen Putzaktionen, um diesselben wieder zu beseitigen, weil unser Hausmeister nämlich der Beste von allen war und wir ihm nicht noch mehr Arbeit aufbürden wollten, als er eh schon hatte. Unsere Botschaft war ja bereits vernommen worden. Trotzdem war es die Zeit von kleinen Rebellionen in unserem Leben.

Kurzum, das Leben war nicht nur schön, aber prall gefüllt mit Entdeckungen, sich ausprobieren, Adrenalin, Freundschaft und natürlich Sex, Drugs and Rock ’n Rock.

Im Jahr 2008 hat Kid Rock dem Sommer ’89 eine Liebeserklärung gewidmet und das Lebensgefühl damals ganz gut getroffen. Es gab kein Internet, das Leben fand für uns hauptsächlich draussen statt, oder im Keller. Da befanden sich die meisten unserer Zimmer als Jugendliche. Ab Donnerstag war Wochenende und wir gingen bis in die Nacht raus. Dienstag und Mittwoch abends wurde Karten gespielt.

 

Da die meisten dieses Lied kennen dürften, es war ja ein ziemlicher Radiohit, hier noch ein anderer Song von damals, der das Lebensgefühl vielleicht noch besser rüberbringt, auch wenn die Livekonzerte bei uns noch nicht so überregional stattfanden^^

 

So long,

Jo

 

11 Kommentare zu „Worte der Weisheit und der Sommer ’89

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    1. Danke Dir.Nein ich brauche es auhc nicht mehr wild, jedenfalls nicht in der Form. Gerade dem Alk habe ich schon sehr lange abgeschworen. Kann ja mal nett sein, wenn mir da wirklich nach ist, aber das ist selten der Fall.

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