Heimkehr

Wir gingen die Straße herunter bis zu dem gelben Haus. Als Kinder hatten wir dort immer geklingelt, um dann lachend wegzulaufen.

Die alte Frau, die darin wohnte, hatten wir auf der Straße verspottet, wenn wir sie sahen. Sie hatte ein runzelböses Gesicht und murmelte immerzu wirr vor sich hin. Oft gaben wir ihr Schimpfnamen oder lachten sie einfach laut aus. Sie war uns unheimlich, deswegen musste sie leiden.

In die Erinnerung an diese Zeit eintauchend, betraten wir das Grundstück. Unter dem gelben Vordach der Haustür hing ein merkwürdiges Konstrukt aus Zweigen und Ästen. Im größten Ast standen unsere Namen eingeritzt.

 

© Jo Wolf

Advertisements

5 Kommentare zu „Heimkehr

Gib deinen ab

  1. Bei uns gab es in der Nachbarschaft auch ein „gelbes Haus“. Das war eine Wegmarke für uns: „Komm, wir fahren zum gelben Haus!“ Da wohnte auch eine (für Kinderaugen) „alte“ Dame. Die war aber sehr, sehr nett und klug und hat mir viel beigebracht. Ohne Anne wäre ich heute sicher jemand anderes … Es gibt das Haus noch, aber jetzt wohnt da ein böser Nachbar.

    Gefällt 1 Person

    1. Das Gegenstück zu dem gelben Haus der Leute in dieser Geschichte, scheint es (wobei ich mir nicht sicher bin, was da überhaupt los ist).
      Was hat Sie Dir beigebracht, das den Unterschied zur alternativen, nicht existenten Ro ausmacht? Falls sich das überhaupt sagen lässt. 🙂

      Gefällt mir

      1. Zum einen war sie als unabhängig lebende Frau (eigenes Einkommen, unverheiratet, weite Reisen unternehmend) ein einzigartiges Rollenvorbild in meinem persönlichen Umfeld. Außerdem war sie Wissenschaftlerin und Autorin. Genau genommen war sie nach meiner Mutter der erste Mensch in meinem Leben, der sich ernsthaft dafür interessiert hat, was ich im Köpfchen habe, und der anerkannt hat, dass ich was (werden) kann. Und das ganz ohne Voreingenommenheit (die man meiner Mama ja unterstellen darf, schließlich finden die meisten Leute ihre eigenen Kinder gut ;-)). Wenn ich Anne nicht gekannt hätte, wäre wohl am Ende meiner schulischen Laufbahn zwar der Leidensdruck groß genug gewesen, um wegziehen zu wollen, aber vielleicht nicht wäre der Mut nicht groß genug gewesen, das wirklich zu tun und dann auch noch ein Studium zu beginnen. Ich bin die erste Frau in der Familie, die das gemacht hat.

        Gefällt 1 Person

      2. Ich finde, so sehr das Anne auch ehrt und ihr eine für die Dich wichtige Rolle zuweist, sagt der Verlauf der Dinge und wie alles gekommen ist, vor allem etwas über Dich aus. Wie wir wissen, bestimmt der Empfänger die Botschaft. Was hätte also ihr Wissen, ihre Fähigkeiten, alles was sie mitbringt, genutzt,. wenn Du nichts daraus gemacht hättest? Bei aller Sympathie und Anerkennung der Leistungen von Frau Anne in dem gelben Haus, spreche ich Dir meine Wertschätzung und Hochachtung aus, Ro 🙂

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Bloggen auf WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: